
Nemetschek Aktienanalyse Update: Die Bauindustrie lahmt, Nemetschek wächst zweistellig
Die Bauindustrie steckt in der Rezession, und Nemetschek wächst trotzdem zweistellig: Q2-Umsatz +14,5 %, Gewinn je Aktie +25,3 %, Guidance bestätigt. Mit der 2,4 Mrd. USD schweren HCSS-Übernahme öffnet sich der Softwarekonzern den US-Infrastrukturmarkt, während die Subscription-Transition mit 29,6 % SaaS-Wachstum und 1.249,5 Mio. EUR ARR fast abgeschlossen ist. Die Aktie notiert 53 % unter dem 52-Wochen-Hoch: perfekter Qualitätsscore, Renditeerwartung rund 20 % pro Jahr.
Nemetschek Aktie und Aktienanalyse
- Hauptsitz
- Deutschland
- Sektor
- Informationstechnologie
- Industrie
- Software (AEC/O)
- Kurs
- 56,95 EUR
- Marktkapitalisierung
- 6,6 Mrd. EUR
- Umsatzwachstum Q2 2026
- +14,5 % (cc)
- ARR
- 1.249,5 Mio. EUR (+17,4 % cc)
- EBITDA-Marge Q2 (bereinigt)
- 31,0 %
- Nettomarge
- 18,0 %
- KGVe 2026
- 25,1
- Free Cash Flow 2025
- 368 Mio. EUR
- AAQS
- 10 von 10
- Dividendenrendite
- ca. 1,0 %
- Datum
- 20.08.2026
Nemetschek Aktienanalyse
53 % unter dem 52-Wochen-Hoch, während das Geschäft zweistellig wächst. Nemetschek notiert bei 56,95 EUR und damit rund 53 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 122,50 EUR. Der Kursverfall ist eine Bewertungskorrektur, keine Geschäftskorrektur: Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 14,5 % auf 327,7 Mio. EUR, der Gewinn je Aktie legte um 25,3 % zu. Die Guidance für das Gesamtjahr wurde vollständig bestätigt.
Die Bauindustrie lahmt, Nemetschek wächst trotzdem zweistellig. Hohe Zinsen, Baurezession in Europa, Zurückhaltung bei US-Gewerbebauten: Das Umfeld für die Kunden von Nemetschek ist so schwierig wie seit Jahren nicht. Genau in diesem Umfeld liefert das Unternehmen zweistelliges Wachstum bei über 30 % EBITDA-Marge. Der Grund ist das Geschäftsmodell: Software für Planung, Bau und Betrieb ist für Architekten und Bauunternehmen keine Kür, sondern Pflicht. Wer im Abschwung Kosten senken will, digitalisiert und spart nicht an dem Werkzeug, mit dem er kalkuliert.
HCSS öffnet den US-Infrastrukturmarkt: die größte Übernahme der Firmengeschichte. Zum 1. Juli 2026 hat Nemetschek den texanischen Softwareanbieter HCSS für 2,4 Mrd. USD übernommen. HCSS ist der führende Anbieter von Kalkulations- und Baustellensoftware für den nordamerikanischen Infrastruktur- und Tiefbau: über 4.000 Kunden, rund 215 Mio. USD Umsatz, etwa 21 % ARR-Wachstum und rund 40 % EBITDA-Marge. Damit erschließt sich Nemetschek einen Markt, der von Infrastrukturprogrammen, Energiewende und alternder Bausubstanz getrieben wird und konjunkturell deutlich robuster ist als der Hochbau.
Die Subscription-Transition ist fast durch. Jahrelang hat die Umstellung von Lizenzen auf Abos die Wachstumszahlen optisch gedrückt. Jetzt zahlt sie sich aus: Die Subscription- und SaaS-Umsätze wuchsen im zweiten Quartal währungsbereinigt um 29,6 %, die jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) um 17,4 % auf 1.249,5 Mio. EUR. Bereits 95 % der Umsätze sind wiederkehrend. Nemetschek ist damit faktisch ein planbares Abo-Unternehmen mit der Zyklik eines Versorgers und dem Wachstum eines Softwarekonzerns.
Renditeerwartung von rund 20 % pro Jahr bei perfektem Qualitätsscore. 5,6 % Free-Cashflow-Rendite (368 Mio. EUR FCF auf 6,6 Mrd. EUR Marktkapitalisierung) plus konservativ angesetzte 15 % jährliches Gewinnwachstum ergeben eine Renditeerwartung von rund 20 % pro Jahr. Der Analystenkonsens traut Nemetschek sogar 22 % Gewinnwachstum pro Jahr bis 2030 zu. Dazu kommt ein AAQS von 10 von 10 Punkten: höchste Qualität, über 50 % unter dem Hoch. Nemetschek ist für uns klar kaufenswert.
1Was seit unserem letzten Update passiert ist
Als unser letztes Nemetschek-Update im Oktober 2025 erschien, lautete die Kernaussage: Wenn Millimeter zählen, muss auf Zuverlässigkeit gesetzt werden. Seither ist operativ alles nach Plan gelaufen. Nur der Kurs nicht.
Die Aktie notiert heute bei 56,95 EUR, rund 53 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 122,50 EUR. Die Marktkapitalisierung ist auf 6,6 Mrd. EUR geschrumpft.
Die Gründe für den Abverkauf sind schnell benannt: eine breite Neubewertung europäischer Qualitäts- und Softwarewerte, die Baurezession in Deutschland und Europa, Schwäche im kleinen Mediengeschäft der Tochter Maxon und ein negativer Währungseffekt durch den schwachen US-Dollar. Dazu kam die Skepsis des Marktes gegenüber dem Preis der HCSS-Übernahme.
Was in dieser Aufzählung fehlt: eine operative Enttäuschung. Die gab es nicht. Nemetschek hat in jedem Quartal seit unserem Update zweistellig zugelegt und die Jahresprognose zuletzt sogar um den HCSS-Beitrag erweitert. Genau diese Lücke zwischen Kurs und Geschäft ist die Gelegenheit, um die es in diesem Update geht.
2Die Q2-Zahlen: Wachstum gegen den Zyklus
Am 30. Juli hat Nemetschek die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 14,5 % auf 327,7 Mio. EUR. Berichtet waren es wegen des schwachen Dollars 13,0 %.
Noch wichtiger ist die Gewinnentwicklung: Der Nettogewinn kletterte um 25,4 % auf 66,0 Mio. EUR, der Gewinn je Aktie um 25,3 % auf 0,57 EUR. Der Gewinn wächst damit fast doppelt so schnell wie der Umsatz. Das ist der operative Hebel eines Softwaremodells, dessen Kostenbasis kaum mitwächst.
Die berichtete EBITDA-Marge lag bei 30,1 %. Bereinigt um die Einmalkosten der HCSS-Übernahme waren es 31,0 %. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 15,7 % auf 640,7 Mio. EUR, das EBITDA währungsbereinigt um 24,0 % auf 197,0 Mio. EUR.
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