Bao Fans überraschende Freilassung beendet jahrelange Ungewissheit, doch China Renaissance bleibt wirtschaftlich und strategisch stark angeschlagen.
Bao Fan, Gründer der Investmentbank China Renaissance und einer der bekanntesten Tech-Dealmaker Chinas, ist nach mehr als zweieinhalb Jahren Haft von den Behörden freigelassen worden. Offizielle Anklagepunkte gegen den früheren Morgan-Stanley- und Credit-Suisse-Banker wurden nie bekannt gegeben.
Die Nachricht sorgte am Freitag für einen Kurssprung von 17 Prozent bei den Hongkong-notierten Aktien der Bank, nachdem das Wirtschaftsmagazin Caixin über die Freilassung berichtet hatte. Bao war im Februar 2023 spurlos verschwunden – inmitten einer umfassenden Anti-Korruptionskampagne von Präsident Xi Jinping –, und galt seither als „in einer Untersuchung kooperierend“.
Sein Verschwinden traf China Renaissance ins Mark: Das Institut hatte in den Hochzeiten des chinesischen Tech-Booms von Baos engen Beziehungen zu Branchengrößen gelebt. Bereits im September 2022 war Bankpräsident Cong Lin von der Wertpapieraufsicht zu einer „aufsichtlichen Besprechung“ geladen und wenig später festgesetzt worden. Beobachter sehen in Baos Fall einen engen Zusammenhang zu der Affäre um Cong, den er 2020 von ICBC International abgeworben hatte.
Im Februar 2024 trat Bao offiziell aus allen Funktionen zurück, offiziell aus „gesundheitlichen Gründen“ und um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Leitung der Bank übernahm seine Frau Hui Yin Ching. Seither kämpft das Haus mit rückläufigen Einnahmen – 2023 fielen die Umsätze auf 777 Mio. Renminbi, rund die Hälfte des Vorjahreswerts – und einem schwachen Umfeld für Tech-Finanzierungen in China.
China Renaissance erklärte am Freitag, man äußere sich nicht zu persönlichen Angelegenheiten; Bao sei nicht mehr in das operative Geschäft eingebunden.



