Wie kann ich eine Aktie bewerten? Aktienbewertung für Privatanleger nach Peter Lynch
Wie der Fonds-Milliardär Peter Lynch Aktien bewertet. Er gilt als der beste Fonds-Manager der Welt.
Warum Aktien analysieren? Damit wir eine Überrendite erzielen
Die Analyse einer Aktie schwierig: In diesem Beitrag stellen wir daher einfache Verfahren vor
Peter-Lynch-Methodik: Mit dieser Methode erzielte Peter Lynch während seiner Zeit als Fondsmanager unglaublich hohe Renditen. Er gilt als der beste Fondsmanager der Welt. Als Manager des Fidelity Magellan Fund erzielte er von 1977 bis 1990 über einen Zeitraum von 14 Jahren eine durchschnittliche, jährliche Rendite von unglaublichen 29,2 % und damit mehr als die doppelte jährliche Rendite des S&P 500 Index in diesem Zeitraum. Das von ihm verwaltete Vermögen wuchs in dieser Zeit von 18 Mio. USD auf 14 Mrd. USD heran.
Enorme Vermögenssteigerung: Die doppelte jährliche Rendite bedeutet im Zeitraum von 1977 bis 1990 aber nicht nur das doppelte Endvermögen. Da wir Menschen nicht exponentiell denken können, unterschätzen wir den Effekt des Zinseszins systematisch. Daher zeigt dir folgende Tabelle den Vermögenszuwachs von 10.000 USD von 1977 bis 1990 auf:
| 1977-1990 | Rendite p.a. | Aus 10.000 USD wurden |
| S&P 500 | 13,4 % | 58.150 USD |
| Magellan Fund | 29,2 % | 361.140 USD |
1Warum kaufen wir Privatanleger Aktien?
Beginnen wir mit unserem Ziel: Der Rendite. Wenn wir eine Aktie kaufen, kaufen wir einen Anteil an einem Unternehmen. Der Wert eines Unternehmens ergibt sich aus all seinen künftigen zu erwartenden abdiskontierten Cashflows bzw. Gewinnen. Warum müssen wir abdisktonieren?
Nun ja, wir hätten alle lieber einen Gewinn sofort, als in der Zukunft. Denn dann könnten wir den sofortigen Gewinn erneut anlegen und so erneut von der Rendite profitieren. Gehen wir die Gedanken an einem Beispiel durch:
Zum Kaufzeitpunkt erwirtschaftet unser Beispielunternehmen einen jährlichen Gewinn von 100 Mio. EUR und wird an der Börse mit 1.000 Mio. EUR bewertet. Das KGV liegt also bei 10, weil wir den zehnfachen Jahresgewinn bezahlen. Als Investoren haben wir drei verschiedene Werttreiber, die für Rendite sorgen:
1) Eine Erhöhung der Gewinne bis zum Verkauf2) Eine Erhöhung der Bewertung bis zum Verkauf3) Die Dividenden während der Haltedauer
Ist eigentlich ja logisch. Nehmen wir im Folgenden an, wir verkaufen unser Unternehmen nach exakt 10 Jahren Haltedauer.
Gewinnwachstum: Steigen die Gewinne des Unternehmens während dieser 10 Jahre auf 200 Mio. EUR, und das KGV liegt immer noch bei 10, dann ist unser Unternehmen nun bereits 2.000 Mio. EUR wert und hat den Wert verdoppelt. Daher gilt zunächst einmal folgende Erkenntnis: Je höher das Gewinnwachstum, desto mehr Renditechancen bietet ein Unternehmen.
Änderung der Bewertung: Es kann aber auch sein, dass unser Unternehmen nach den 10 Jahren Haltedauer nicht mehr mit einem KGV von 10, sondern von 15 bewertet wird. Dann ist unser Unternehmen auf einen Schlag 3.000 Mio. EUR wert, und wir haben unseren Einsatz in den 10 Jahren bereits verdreifacht. Allerdings sind solche Veränderungen der Bewertung keine dauerhaften Werttreiber. Bei langfristiger Betrachtung schwankt die Bewertung nämlich generell um einen Mittelwert. Aber dennoch können wir Rendite generieren, indem wir Aktien möglichst immer dann kaufen, wenn die aktuelle Bewertung unter dem historischen Schnitt des Unternehmens liegt. Sobald die Bewertung wieder ansteigt, kommt es zum eben beschriebenen Kursgewinn. Für buy-and-hold-Investoren ist die Einstiegsbewertung beim Kauf zwar insofern nicht wichtig, weil ja eh kein Verkauf geplant ist. Aber dennoch gilt: Je tiefer der Preis, desto mehr Aktien gibt es für das gleiche Geld. Und desto mehr Dividenden gibt es für das gleiche Geld.
Dividenden: Weil unser Beispielunternehmen während den 10 Jahren jedes Jahr gutes Geld verdient, beteiligt es uns Investoren über eine Dividende an seinen Gewinnen. Das Unternehmen kann die Dividende zahlen, weil auch nach Erweiterung des Geschäfts ein Teil der Gewinne übrig ist und nicht im Unternehmen reinvestiert werden muss. Daher suchen wir Investoren stets nach Unternehmen, die für die Expansion des Geschäfts kaum Kapital benötigen. Dann können sowohl die Gewinne steigen und auch Dividenden bezahlt werden. Die Dividenden kommen auf die Rendite obendrauf.
Ich fasse also nochmal zusammen: Kurzfristig verändern sich Aktienkurse zumeist, weil sich die Bewertungen verändern. War der Markt gestern noch bereit, das 15-fache eines Jahresgewinns für ein Unternehmen zu zahlen, kann es heute nur noch das 10-fache sein. Es kann also sehr sinnvoll sein, darauf zu achten, ob ein Unternehmen in seinem eigenen historischen Durchschnitt aktuell niedrig bewertet ist. Allerdings ist der Werttreiber einer Bewertungsänderung nur ein einmaliges Spiel. Nämlich dann, wenn es uns gelingt, eine Aktie mit einer günstigen Bewertung zu kaufen, und sich die Bewertung im Anschluss wieder an den historischen Schnitt annähert.
Nachhaltiger ist der Werttreiber Gewinnwachstum des Unternehmens. Mit steigenden Gewinnen wird das Unternehmen langfristig jedes Jahr wertvoller, weil ja eben die künftige Ertragskraft steigt. Dieser Werttreiber kann ein Unternehmen über viele Jahrzehnte um viele hunderte und tausende Prozente wertvoller machen.
Die Dividende ist ein oftmals unterschätzter Werttreiber. Studien sagen, dass bei ganz langfristiger Anlage rund die Hälfte des Vermögenszuwachses aus Dividenden stammt. Denn wenn Unternehmen derart viel Geld verdienen, dass sie ihre Aktionäre in Form einer Dividende daran beteiligen können, dann können wir Aktionäre mit den erhaltenen Dividenden weitere Aktien des Unternehmens kaufen und so steigt unser Anteil am Kuchen immer weiter an.
Im Idealfall suchen wir also nach Unternehmen, denen es gelingt, ihre Gewinne in der Zukunft möglichst stark zu steigern, die zugleich eine hohe Dividende ausbezahlen und deren Bewertung weit unter dem historischen Durchschnitt liegt. Diese Vorstellung bleibt in der Realität aber meistens eine Wunschvorstellung.
Investiere wie
die Besten.
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