VISA Aktienanalyse: Kann das Wachstum weitergehen?
Aktienanalyse

VISA Aktienanalyse: Kann das Wachstum weitergehen?

Visa ist einer der zwei großen Zahlungsanbieter neben Mastercard. Das Unternehmen erhebt Gebühren auf Kreditkartentransaktionen und stellt im Gegenzug ein standardisiertes Zahlungssystem zur Verfügung, welches global verfügbar ist. Tendenziell sorgen Krisenzeiten für intensivere Nutzung von Kreditkarten. Gleichzeitig steigen die Ausfallquoten bei den kurzfristigen Konsumkrediten.

VISA Aktie und Aktienanalyse

Hauptsitz
San Francisco, Kalifornien, USA
Kurs
210 USD
Marktkapitalisierung
458,95 Mrd. USD
KGV
22,41
KGVe
23,35
KUV
14,33
KUVe
12,90
Umsatzwachstum 5 Jahre
7,30 %
AAQS
10 / 10
Datum
09.06.2023

VISA Aktienanalyse

1Geschäftsmodell von VISA

  • Branche mit Duopol. VISA hat global einen wesentlichen Konkurrenten: Mastercard. Beide Unternehmen bieten schlussendlich die gleichen Dienstleistungen an und konkurrieren direkt um Zahlungsvolumen. Das Duopol wird auf regionaler Ebene jedoch durch andere Anbieter wie das chinesische UnionPay gebrochen. Dennoch gab es in der Vergangenheit Anläufe zur verstärkten Regulierung der Branche, wie kürzlich erst mit dem vorgeschlagenen Credit Card Competition Act, der Kunden mehr Freiheit bei der Wahl ihres Zahlungsnetzwerkes geben soll.

  • Kein Kreditrisiko. VISA ist ein Technologieunternehmen, welches die Kommunikation zwischen Banken bei der Abwicklung von Zahlungen mit Kreditkarte oder Debitkarte abwickelt. Das Unternehmen erhebt prozentuale Gebühren für jede Transaktion. Da nur Transaktionen abgewickelt werden, ohne dass VISA selbst eine Bank ist, trägt das Unternehmen kein Kreditkartenausfallrisiko.

  • Neue Konkurrenten.Die Kredit- und Debitkarten, welche in Europa und den USA so beliebt sind, werden aktuell besonders in Entwicklungsländern durch neue Angebote ersetzt. Digitale Wallets wie beispielsweise Paypal erlauben die Transaktion von Geld ohne einen Mittelsmann wie VISA oder den Konkurrenten Mastercard, was den adressierbaren Markt schrumpfen lässt.

  • Trotz Wachstum stagniert der Aktienkurs. VISA erwartet in den nächsten drei Jahren weiterhin Wachstum von über 11 %. Bis auf 2022 gingen die Umsätze seit Börsengang 2007 nicht zurück. Aktuell steht die VISA Aktie jedoch beim Niveau von 2020 und konnte sich nicht nachhaltig positiv entwickeln. Ob sich der Kauf des Payment-Giganten trotzdem noch lohnt, prüfen wir in dieser Analyse.

VISA Aktienanalyse

1.1Unternehmensgeschichte: Hervorgegangen aus der Bank of America

VISA Aktienanalyse

  • 1958
    BankAmericard. Die Geschichte von VISA ist eine sehr untypische. Sie beginnt bei der Bank of America, heute eines der größten Finanzinstitute der USA, welche ihr erstes eigenes Kreditkartenprogramm auflegt. Dies wird durch einen „Card Drop“ umgesetzt, bei welchem alle Kunden der Bank of America in der Stadt Fresno eine Kreditkarte kostenfrei zugeschickt bekommen. Später wird das Programm innerhalb eines Jahres auf ganz Kalifornien ausgeweitet und erreicht damit zwei Millionen Kunden. Zu Beginn gibt es jedoch massive Probleme mit Betrug, da die Kartenrechnungen alle analog abgewickelt werden müssen. Die Probleme werden so massiv, dass der Leiter des Projekts, Joseph Williams, das Unternehmen verlässt.
  • 1961
    Profitabilität. Nachdem das Programm vom Start bis zum Abgang von Williams 8 Millionen US-Dollar durch Betrug verliert, da 22 % aller Kartenkonten von Betrug betroffen sind, wird das Programm massiv umstrukturiert und kann zwei Jahre später erstmals Profite vermelden. Tatsächlich läuft das Geschäft so gut, dass die Bank of America den Erfolg des Programms kleinredet, um Konkurrenten abzuwehren.
  • 1966
    Erste Lizenzprogramme. Nach Start des Konkurrenten Master Charge (heute Mastercard), einem Kreditkartensystem, welches von mehreren Regionalbanken gegründet wurde, beginnt die BoA mit der Lizenzierung ihrer BankAmericard, an Banken außerhalb Kaliforniens, da die damalige Gesetzgebung eine direkte Expansion in die Nachbarstaaten verhindert. Bis 1970 werden Karten weiter durch „Card Drops“ verteilt und man erreicht 100 Millionen ausgegebene Karten, bevor die Praktik schließlich für illegal erklärt wird.
  • 1970er
    Internationalisierung. Die BoA lizenziert unter anderem in Kanada, Japan, Großbritannien, Spanien und Frankreich ihr Netzwerk, welches dort unter lokalisierten Namen angeboten und vertrieben wird. Das Wachstum gerät aber außer Kontrolle, da immer noch weitestgehend analog gearbeitet wird. Zur besseren Organisation des Programmes einigen sich die Partnerbanken auf die Gründung eines gemeinsamen Konsortiums, der National BankAmericard Inc. (NBI). Dieser sitzt der spätere Gründer, Dee Hock, vor. Die BoA selbst gibt die direkte Kontrolle über das Programm auf, behält aber das Recht zur Lizenzierung des Programms weiter bei.
  • 1974
    Weitere Zentralisierung. Die NBI ist zwar ein erster Schritt zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Systems, die internationalen Zahlungen stellen jedoch weiter eine große Herausforderung dar. In der Folge wird die International Bankcard Company gegründet, welche zwei Jahre später mit der NBI zu VISA zusammengeführt wird und damit auch endgültig von der Bank of America gelöst wird.
  • 2006
    Umstrukturierung. Nachdem das Unternehmen lange als gemeinnützige Organisation unter Kontrolle der Mitgliedsbanken ein Privatunternehmen mit regionalen Tochtergesellschaften bleibt, wächst der regulatorische Druck. Kartellrechtler sehen ein Problem in der Tatsache, dass die Mitgliedsbanken die Raten für Kreditkartenzahlungen über das VISA Netzwerk gemeinsam festlegen und damit Absprachen treffen. VISA wird daher als For-Profit umstrukturiert und kurz darauf 2008 an die Börse gebracht.
  • 2016
    Übernahme des Europageschäfts. Im Zuge des IPOs wurde VISA Europa abgespalten und weiter von den dortigen Banken als Konsortium organisiert. VISA möchte seinen europäischen Ableger ab 2015 wieder übernehmen und schließt den Deal 2016 nach leichten Änderungen schließlich ab.
  • 2021
    Kryptowährungen. VISA beginnt die Zusammenarbeit mit verschiedenen Banken, welche sich auf Kryptowährungen spezialisieren und beginnt, den Stablecoin USDC für Zahlungen über das VISA-Netzwerk zu akzeptieren.
  • Heute
    Größtes Zahlungsnetzwerk der Welt. Auch wenn VISA nach Transaktionsvolumen betrachtet, kleiner ist als der chinesische Konkurrent UnionPay, ist dieser stark regional fokussiert. Effektiv hält VISA damit über 45 % des eigenen Marktes. Das Unternehmen profitiert aktuell besonders von der wieder aufkommenden Reiselust, welche profitable internationale Transaktionen mit sich bringt.

1.2Mission: Network of Networks

Our purpose is to uplift everyone, everywhere by being the best way to pay and be paid.
VISA Mission

VISA möchte die ganze Welt verknüpfen, um Zahlungen für Kunden zu vereinfachen und Fortschritt zu unterstützen. Das Unternehmen macht sich damit effektiv die Monopolstellung im Bezahlungsgeschäft zum Ziel. Dies ist aus regulatorischer Sicht natürlich kaum möglich, aber auch aus der Perspektive des aktuellen Marktes. Kreditkarten- und darüber hinaus Zahlungsanbieter verdienen ihr Geld durch die Berechnung von Gebühren für Transaktionen. Differenzierung ist schwierig, da Banken circa alle 5 Jahre ihre Netzwerkverträge neu aushandeln und damit leicht von VISA zu Mastercard oder anderen Anbietern wechseln können.

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