
Netflix Crash Report: Netflix verliert Nutzer und die Aktie stürzt um 35 % ab — jetzt kaufen?
Was ist passiert? Netflix meldet den ersten Nutzerrückgang in der Unternehmensgeschichte. Im Vergleich zum Jahresende 2021 hat das Unternehmen 200.000 zahlende Kunden verloren.
Was ist passiert? Netflix meldet den ersten Nutzerrückgang in der Unternehmensgeschichte. Im Vergleich zum Jahresende 2021 hat das Unternehmen 200.000 zahlende Kunden verloren.
Warum ist es passiert? Das Ende der Pandemie, steigender Konkurrenzdruck und die Weitergabe von Passwörtern machen das Wachstum schwer.
Wie muss man jetzt handeln? Wir haben unsere zukünftigen Erwartungen an die etwas schlechteren Aussichten angepasst. Ob die Aktie also kaufenswert bleibt, erfährst du in diesem Report.

1Was ist passiert?
Im Februar diesen Jahres haben wir die Netflix-Aktie in einem Update sehr genau unter die Lupe genommen. Obwohl der Streaminganbieter in den letzten Jahren mit sinkendem Nutzerwachstum aufgrund steigender Konkurrenz zu kämpfen hatte, stuften wir die Aktie mit einer Renditeerwartung von 10 % pro Jahr als kaufenswert ein. Das ganze Update findest du hier.
Was Netflix ausmacht — ein kurzer Überblick
Netflix ist der größte Streaminganbieter der Welt. Mit über 200 Millionen zahlenden Kunden liegt das amerikanische Unternehmen vor Konkurrenten wie Prime Video, HBO oder Disney+. Netflix ist auf der ganzen Welt verfügbar. Zwar werden 44 % des Umsatzes noch in den USA und Kanada gemacht, allerdings sind sie mittlerweile auch in Europa, Lateinamerika und Asien verfügbar. Lediglich in China, Nordkorea und Syrien gibt es Netflix noch nicht.
Nutzerwachstum als Bewertungsmetrik #1. Netflix ist seit je her getrieben vom Nutzerwachstum. Denn mit echten Gewinnen tut sich das Unternehmen aufgrund der hohen Kosten für die Produktion von Serien und Filmen noch schwer. Wie ein echtes Startup wurde deshalb immer viel Wert darauf gelegt, 20 % bis 30 % Nutzerwachstum pro Jahr zu erzeugen.
Wachstum durch neue Inhalte. Um dieses Wachstum zu erzeugen, hat Netflix in den letzten Jahren Milliarden für die Produktionen von neuen Inhalten ausgegeben. Eigene Titel laufen schon seit langem exklusiv auf Netflix und sorgen dafür, dass immer wieder Menschen wegen bestimmter Serien oder Filme ein Abo abschließen.
Netflix ist ins Gaming eingestiegen. Um noch attraktiver zu werden, bietet Netflix mittlerweile in der App Spiele für das Smartphone an. So können weitere Nutzergruppen mit erfolgreichen Titeln an Land gezogen werden.

Womit Netflix aktuell zu kämpfen hat
Allerdings läuft bei Netflix nicht alles rund. Schon in unserem Update hat sich herausgestellt, dass das Unternehmen auf ein Wachstumsproblem zulaufen wird. Das Nutzerwachstum war zwar in der Vergangenheit jedes Quartal positiv, allerdings ging es immer mehr zurück.
Netflix erzielt 10 / 10 Punkten im AlleAktien Qualitätsscore
Ein schneller Blick auf den AlleAktien Qualitätsscore zeigt: Netflix ist ein erstklassiges Qualitätsunternehmen. Volle 10 von 10 Punkten werden erreicht.

Am 20.04.2022 ist die Netflix-Aktie um 21 % gefallen
Am 20.04.2022 veröffentlichte Netflix die Zahlen für das erste Quartal 2022 und gab eine Prognose für das zweite Quartal 2022. Zwei Punkte waren dabei von besonderer Bedeutung:
Die Anzahl der zahlenden Nutzer ging zurück. Von 221,84 Millionen Abonnenten Ende 2021 blieben zum Ende des ersten Quartals nur noch 221,64 Millionen übrig. Ein Rückgang von 200.000 Nutzern. Eigentlich war ein Wachstum von 2,5 Millionen Nutzern angepeilt worden.
Die Prognose für das kommende Quartal fiel enttäuschend aus. Im zweiten Quartal diesen Jahres geht Netflix sogar von einem Rückgang der Nettoabonnenten von 2 Millionen aus. Das entspricht einem knappen Prozent.
Warum das erste Quartal so schlecht ausfiel und die Zukunft auch nicht ansprechend aussieht, werden wir im nächsten Kapitel besprechen.

2Warum ist es passiert?
Welche Probleme gibt es?
Vier wesentliche Punkte waren für den Nutzerrückgang und das schlechter als erwartete Quartal verantwortlich:
Starker Wettbewerb. Netflix ist zwar immer noch der unangefochtene Streaming Champion, aber mit Disney+, Prime Video und HBO haben sie vor allem im Kernmarkt USA starke Konkurrenten. Diese haben in der Vergangenheit immer mehr Geld in die Produktion von Inhalten gesteckt und an Attraktivität für die Nutzer hinzugewonnen.
Vermehrte Passwortweitergabe. Netflix hatte schon immer viele Nutzer, die Familienaccounts benutzen, um sich ein Netflixabo zu teilen. Bisher war das kein Problem. Mittlerweile belaufen sich diese Nutzer aber auf 100 Millionen. Eine Monetarisierung durch Netflix blieb bisher aus.
Coronapandemie. Durch die Pandemie haben Streamingdienste einen Wachstumsschub erhalten. Eigentlich ging man davon aus, dass es sich hierbei um ein Pull-Forward, also einen nachhaltigen Wachstumsschub, handelt. Diese These wurde jetzt aber über Bord geworfen. Es sieht danach aus, als würde sich alles wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau normalisieren.
Krieg in der Ukraine. Der Krieg in der Ukraine hat zu einem sogenannten Spill-Over-Effekt geführt. Der gesamte Streamingmarkt im europäischen Raum hat seit Beginn des Krieges mit verstärktem Gegenwind zu kämpfen. Außerdem hat Netflix alle Abos in Russland gekündigt. Das sind 700.000 Accounts gewesen. Ohne diesen Verlust hat Netflix sogar 500.000 Nutzer im ersten Quartal dazugewonnen.
Wie geht Netflix damit um?
Um dem sinkenden Nutzerwachstum zu begegnen, hat Netflix drei Punkte, die sie in Zukunft angehen wollen:
Günstigere, werbegestützte Version. Eigentlich hat man sich bei Netflix immer davor gewehrt, Werbung zu spielen. War das doch gerade ein Grund kein lineares Fernsehen zu schauen. Allerdings verliert Netflix dadurch ein Kundensegment, das preisempfindlicher ist und dafür kein Problem mit Werbung hat. Diese Kunden wollen sie in Zukunft auch ansprechen.
Passwortweitergabe mit höheren Abokosten kombinieren. Es wäre unklug, den geteilten Accounts den Stecker zu ziehen, denn wer teilt, ist schon begeisterter Kunde und kann auch schnell monetarisiert werden. Netflix testet schon seit mehreren Jahren ein Account-Modell für genau diesen Zweck. Wer teilt, zahlt zwar mehr als bei einem Familienaccount, aber immer noch weniger als bei einem einzelnen Account.
Differenziertere Inhalte anbieten. Abonnenten sollen mehr für ihr Abo bekommen. Deshalb hat Netflix schon damit begonnen, Spiele anzubieten. Jetzt wollen sie aber auch immer mehr in andere Inhalte gehen. Beispielsweise mit Formaten wie Reality-TV oder anderen ungeskripteten Programmen. Das zieht neue Nutzergruppen zum Streamingdienst. Netflix erhöht deshalb auch wie geplant im Vergleich zum Vorjahr die Ausgaben zur Produktion von Inhalten auf 18 Mrd. USD.

3Wie muss man jetzt handeln?
Die Quartalszahlen von Netflix waren enttäuschend. Allerdings ist das kein Grund zur Panik. Jedes Unternehmen fährt über Berge und durch Täler. Trotzdem haben sich unsere Annahmen für das zukünftige Wachstum der Firma als überholt herausgestellt. Deshalb korrigieren wir sie jetzt gemäß der aktuellen Informationslage.
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