Das Ende der Software-Aktien? Warum die nächsten 5 Jahre die profitabelsten seit 2010 werden
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Das Ende der Software-Aktien? Warum die nächsten 5 Jahre die profitabelsten seit 2010 werden

Im Frühjahr 2026 war das „Ende der Software“ Konsens: Die SaaSpocalypse drückte Oracle, SAP, ServiceNow und Workday um 40 bis 57 % — die schlechteste Software-Stimmung seit über einem Jahrzehnt. Fünfzig Jahre Technologiegeschichte sagen: Genau so sehen Jahrhundert-Gelegenheiten aus. Wir zeichnen die fünf großen Wellen von den Chips bis zur KI nach, zerlegen die KI-Wertschöpfungskette in ihre acht Etagen — von Nvidia über OpenAI bis Reddit — und zeigen, welche Segmente die nächsten fünf Jahre gewinnen: Systems of Record zum 2010er-Preis, Infrastruktur mit Disziplin und die stillen Daten-Monopole. Dazu fünf unbequeme Wahrheiten — von der Token-Deflation über das Capex-Paradox bis zur These, dass KI-Agenten Wechselkosten erhöhen statt senken — und die Falsifizierungs-Marker, an denen wir uns messen lassen.

  • Die SaaSpocalypse war die beste Kaufgelegenheit seit 2010 — und die meisten haben sie verpasst. Im Januar und Februar 2026 herrschte die schlechteste Stimmung für Software-Aktien seit über einem Jahrzehnt: Jede Ankündigung der KI-Anbieter — „wir steigen ins Finanzwesen ein, ins Gesundheitswesen ein“ — schickte ganze Sektoren um 5 % nach unten. Workday, ServiceNow, SAP und Oracle verloren 40 bis 57 % vom Hoch. Das „Ende der Software“ war Konsens. Dieser Text erklärt, warum das Gegenteil richtig ist — und wer im KI-Zeitalter wirklich verdient.

  • Die Lektion aus 50 Jahren: Technologiewellen ersetzen einander nicht — sie stapeln sich. Chips (1970er), Betriebssysteme (1980er), Unternehmenssoftware (1990er), SaaS (ab 2010), jetzt KI: Am Übergang jeder Welle wurde das „Ende“ der vorherigen ausgerufen, und jedes Mal wurden ihre besten Vertreter stattdessen zur unverzichtbaren Infrastruktur der nächsten. Wer 2010 den totgesagten Microsoft-Konzern zum 10er-KGV kaufte, hat sein Geld verzehnfacht. Die Geschichte reimt sich gerade wieder.

  • Die KI-Wertschöpfungskette hat acht Etagen — mit völlig unterschiedlicher Ökonomie. „KI-Aktie“ ist keine Kategorie, sondern ein Sammelbegriff für acht Geschäftsmodelle: Chips, Rechenzentren samt Energie, Hyperscaler, Modellanbieter, KI-Apps und Agenten, Consumer-Chatbots, Daten-Eigentümer und die Systems of Record. Manche Etagen verdienen heute schon Milliarden, manche verbrennen sie planmäßig, und der Markt bepreist beides gerade grotesk falsch: Neoscaler zum 105-fachen Umsatz, Salesforce zum 3,8-fachen.

  • Und fünf unbequeme Wahrheiten, die kaum jemand ausspricht. Die Token-Preise fallen schneller, als die Modellanbieter Umsatz aufbauen können — der größte Profiteur besserer KI ist ausgerechnet die Software, die sie einkauft. KI-Agenten senken die Wechselkosten nicht, sie erhöhen sie. Das Ende des Seat-Pricings ist kein Umsatzrisiko, sondern die größte Preiserhöhung der Softwaregeschichte. Und dieselben 600 Mrd. USD Capex werden vom Markt dreimal widersprüchlich bepreist — mindestens eine dieser Bepreisungen ist falsch. Kapitel 4 nimmt sie auseinander.

  • Unsere 5-Jahres-Gewinner: Systems of Record zum 2010er-Preis, Infrastruktur mit Disziplin, Daten-Eigentümer als stille Sieger. Bleiben die Kurse stehen, fallen die erwarteten KGVs von Microsoft und SAP bis 2031 unter 10 — Bewertungsniveaus wie zuletzt 2010, vor der größten Tech-Hausse der Geschichte. Rendite ist Fundamentalentwicklung mal Bewertungsänderung, und bei den Systems of Record stehen erstmals seit 15 Jahren beide Hebel gleichzeitig auf Kaufen.

1Fünfzig Jahre Software-Zyklen: Das Muster hinter den Wellen

Wer verstehen will, was nach der SaaSpocalypse kommt, muss verstehen, wie die fünf großen Wellen der Computerindustrie abliefen — denn sie folgen demselben Drehbuch: Eine neue Schicht entsteht auf dem Technologie-Stack, der Markt ruft das Ende der alten Schicht aus, die alte Schicht wird stattdessen zur Infrastruktur der neuen, und ihre besten Vertreter verdienen mehr als je zuvor.

SaaSpocalypse: Fünf Wellen in fünfzig Jahren — jede neue Schicht machte die Gewinner der vorherigen zur Infrastruktur, nicht arbeitslos.
SaaSpocalypse: Fünf Wellen in fünfzig Jahren — jede neue Schicht machte die Gewinner der vorherigen zur Infrastruktur, nicht arbeitslos.

1.1Welle 1 — Chips (1970er/80er): Die Geburt des Stacks

Am Anfang war die Hardware: Intel, Texas Instruments und Motorola machten Rechenleistung zur Massenware, und Moores Gesetz wurde zum Metronom der gesamten Industrie.

Die Lektion dieser Welle war brutal und prägend: Hardware ohne Software-Bindung kommodifiziert.

Von Dutzenden Chip-Pionieren überlebten als Gewinner die, die entweder den Standard setzten (Intel mit x86) oder sich in die nächste Welle einbauten. Der Wert wanderte nach oben — in die Software, die auf den Chips lief.

1.2Welle 2 — Betriebssysteme (1980er/90er): Das erste System of Record

Microsoft und Apple bauten die Schicht, die Hardware austauschbar machte: das Betriebssystem. Windows wurde zum ersten echten System of Record der IT — dem Ort, an dem Anwendungen, Treiber und Nutzergewohnheiten sich verankerten.

Die WinTel-Ära zeigte zum ersten Mal die Ökonomie, die uns bis heute begleitet: Wer die Schicht kontrolliert, auf der andere bauen, besitzt einen Zoll auf das gesamte Ökosystem. IBM, der Gewinner der Vorwelle, wurde nicht ersetzt — es wurde zum Kunden.

1.3Welle 3 — Unternehmenssoftware & Internet (1990er/2000er): Lizenzen und Burggräben

SAP, Oracle und Adobe industrialisierten die Unternehmens-IT: ERP-Systeme, Datenbanken, Kreativwerkzeuge — verkauft als Lizenz, installiert im Keller des Kunden, verwachsen mit jedem Geschäftsprozess.

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