
Michael C. Jakob
Gründer, AlleAktien
Wir haben AlleAktien komplett neu gebaut. Dein Feedback hilft uns, die beste Plattform für dich zu bauen. Ich lese jede Nachricht persönlich.
Methodik · Open-Source-Wissen
Wie AlleAktien seit 2010 Quality-Aktien identifiziert. Mit Zielwerten, Begründung und konkreten Beispielen aus Microsoft, LVMH, Visa, Hermès. Keine geheime Methode — wir zeigen alles.
Die meisten Aktien-Anfänger lernen: „KGV unter 15 = günstig, über 25 = teuer.“ Diese Faustregel ist gefährlich falsch.
Beispiel: Wirecard hatte 2018 ein KGV von 35 — „teuer“ nach Faustregel. Tatsächlich war es ein Betrugsunternehmen, dessen Bilanz nicht stimmte. Das KGV sagte uns das nicht. Bilanz-Analyse + FCF-Vergleich + Net Debt-Analyse hätten gewarnt.
Anderes Beispiel: Microsoft hatte 2014 KGV von 18 — „fair“ nach Faustregel. Tatsächlich begann gerade der Cloud-Pivot, der die FCF-Marge in den nächsten 8 Jahren von 25 % auf 35 % steigen ließ. Eine Aktie, die seit dem +2.140 % gemacht hat. Das KGV sah das nicht — der ROIC-Trend, die FCF-Trajektorie und die Marktanteilsanalyse schon.
Quality-Investing braucht ein vollständiges Bild. Hier sind die 12 Kennzahlen, die wir seit 2010 nutzen — mit konkreten Zielwerten und Begründungen.
Die volle Methodik
Zielwert: ≥ 15 % p.a. (Top-Quality: ≥ 25 %)
ROE misst, wie viel Gewinn ein Unternehmen aus dem eigenen Kapital generiert. Hoher ROE = effizientes Geschäftsmodell, das Kapital reproduktiv einsetzt. Quality-Unternehmen wie Visa (≈ 50 %) oder LVMH (≈ 30 %) liegen weit über dem Marktdurchschnitt von 12 %.
Beispiel
Visa hat ROE von ca. 50 %. Bedeutet: Jeder Euro Eigenkapital produziert 50 Cent Gewinn pro Jahr. Mit nur 1 % Schuldenwachstum p.a. ist das eine Geld-Druck-Maschine.
Zielwert: ≥ 15 % vom Umsatz
Free Cashflow ist der harte Cash, der nach Investitionen übrig bleibt — der wichtigste Indikator für echte Profitabilität. Buchhalterische Gewinne können manipuliert werden, FCF nicht (oder nur sehr schwer). FCF-Marge zeigt, wie viel Geld pro Umsatz-Euro tatsächlich beim Unternehmen ankommt.
Beispiel
Microsoft hat FCF-Marge von ca. 30 %. Bei 245 Mrd. $ Umsatz sind das 73 Mrd. $ freier Cashflow pro Jahr — die Microsoft für Aktienrückkäufe, Dividenden und Akquisitionen verwendet.
Zielwert: ≥ 7 % p.a. organisch
Quality-Unternehmen wachsen nicht durch Akquisitionen, sondern organisch — durch echte Markterweiterung. Konstante 7–15 % organisches Wachstum signalisiert, dass das Geschäftsmodell strukturell profitiert.
Beispiel
LVMH hatte 2018–2023 CAGR von ca. 14 % organisch. Bedeutet: Die Marke wird stärker, der adressierbare Markt wächst, der Pricing Power steigt — Quality-Indikator par excellence.
Zielwert: ≤ 2,0× (Top-Quality: ≤ 1,0× oder Net Cash)
Hohe Verschuldung macht ein Unternehmen fragil in Krisen. In Boom-Phasen sieht hochverschuldetes Wachstum gut aus — in der nächsten Rezession bricht es zusammen. Quality-Unternehmen sind selten hochverschuldet.
Beispiel
Apple und Microsoft haben Net Cash (mehr Cash als Schulden). Das gibt ihnen die Stärke, in Krisen zu kaufen, statt zu verkaufen. Wirecard hatte vor Insolvenz Net Debt/EBITDA von 8× — Warnsignal damals klar erkennbar.
Zielwert: ≥ 40 % (besser ≥ 60 %)
Hohe Bruttomarge = strukturell überlegenes Geschäftsmodell, Pricing Power, Marken-Burggraben. Niedrige Bruttomarge (Handel, Versorger) bedeutet harte Konkurrenz und niedrige Profitabilität.
Beispiel
Hermès hat Bruttomarge von ca. 70 %. LVMH ca. 67 %. Das sind Marken-Burggräben in Aktion. Walmart hat 25 % — nicht schlecht, aber strukturell limitiert.
Zielwert: ≥ 4 % kombiniert
Wir wollen Unternehmen, die Cash an Aktionäre zurückgeben. Reine Dividendenausschüttung ist suboptimal (steuerlich), Aktienrückkäufe sind oft besser. Die Kombination beider Mechanismen zeigt: Management denkt an Aktionäre.
Beispiel
Apple gibt jährlich ca. 90 Mrd. $ in Dividenden + Rückkäufen zurück. Bei 3.500 Mrd. $ Marktkap = ca. 2,5 % — plus 5 % Wachstum = 7,5 % erwartbare Total-Return ohne Multiple-Expansion.
Zielwert: ≤ 50 % (gibt 50 %+ für Aktionäre frei)
Unternehmen, die das ganze FCF reinvestieren müssen, sind Capital-Intensive (Banken, Versorger). Quality-Unternehmen brauchen wenig Kapital fürs Wachstum — der Rest kann an Aktionäre zurück.
Beispiel
Microsoft reinvestiert ca. 40 % des FCF in Forschung und Cloud-Infrastruktur. Die anderen 60 % gehen in Dividenden und Rückkäufe. Optimum für Aktionäre.
Zielwert: Marktführer oder klar wachsende Position
Marktführer haben Skaleneffekte, Pricing Power und negotiating leverage. Wer Marktanteile verliert, hat ein strukturelles Problem — auch wenn die KPIs noch ok aussehen.
Beispiel
Visa hat ca. 60 % Marktanteil im Card Network außerhalb Chinas. Mastercard ca. 30 %. Der Rest ist Amex und kleine Player. Diese Duopol-Position ist das, was 50 % ROE ermöglicht.
Zielwert: ≥ 15 % (besser ≥ 25 %)
ROIC misst, wie effizient das gesamte eingesetzte Kapital (Eigen + Fremd) Gewinn produziert. Buffett's Lieblings-Metric. Hoher ROIC über lange Zeit = strukturell überlegenes Geschäftsmodell.
Beispiel
Costco hat ROIC von ca. 18 %. LVMH ca. 22 %. Microsoft ca. 35 %. Diese Unternehmen werden ihre Kapitaleffizienz lange behalten — das ist die Quelle langfristiger Outperformance.
Zielwert: ≥ 5 % vom Management (idealerweise Founder-led)
Wenn das Management eigene Anteile hält, sind die Anreize aligned mit Aktionären. Founder-led companies (Constellation, Hermès) haben langfristige Outperformance, weil der Founder nicht den 4-Quartals-Druck spürt.
Beispiel
Mark Leonard von Constellation Software hält ca. 1 % der Firma — bei 90 Mrd. CAD Marktkap sind das 900 Mio. CAD. Sein Verhalten ist 100 % Aktionärs-aligned.
Zielwert: Goodwill ≤ 30 % der Aktiva
Hoher Goodwill bedeutet teure Akquisitionen, die später abgeschrieben werden müssen (Impairment). Wir bevorzugen Unternehmen mit organischem Wachstum und niedrigem Goodwill — die haben weniger versteckte Risiken.
Beispiel
Kraft Heinz hatte 2019 Goodwill-Abschreibung von 15 Mrd. $ — Aktie crashte 30 %. Hätte man durch Goodwill-Anteil-Analyse vorher kommen sehen.
Zielwert: FCF-Yield ≥ 4 % (P/FCF ≤ 25)
Auch das beste Unternehmen ist eine schlechte Investition zum falschen Preis. Quality-Investing heißt NICHT „blind kaufen“ — wir warten auf vernünftige Bewertungen. FCF-Yield ist der wichtigste Bewertungs-Anker.
Beispiel
Visa zu P/FCF von 25 ist fair (4 % Yield). Bei P/FCF von 50 (2 % Yield) wäre es Multiple-Expansion-Spekulation. Wir kaufen nur in der Fair-Value-Zone.
Eine einzelne hohe Kennzahl reicht nicht. Eine niedrige Kennzahl disqualifiziert nicht zwingend. Quality-Investing ist ein vollständiges Bild aus 12 Variablen — mit qualitativen Faktoren obendrauf (Burggraben, Marke, Switching Costs, Netzwerkeffekt).
Unsere Bewertungs-Hierarchie:
9–12 / 12
Top Quality
Sehr seltene Kategorie. Microsoft, Visa, LVMH, Hermès, Mastercard, Costco. Wenn diese Aktien fair bewertet sind, sind sie Pflicht-Käufe.
7–8 / 12
Quality
Akzeptabel mit hohem Vertrauen. Apple (manchmal Schuldenniveau), Alphabet (Wachstum verlangsamt), Novo Nordisk. Häufige Kandidaten in unserem Empfehlungsfluss.
5–6 / 12
Marginal Quality
Vorsicht. Spezielle Situationen, opportunistische Käufe. Wir kaufen nur, wenn das Verhältnis sehr asymmetrisch ist (großer Upside, begrenzter Downside).
0–4 / 12
No Quality
Wir kaufen nicht. Auch wenn das KGV niedrig erscheint — der Compounding-Effekt fehlt langfristig.
Aus diesen 12 Kennzahlen plus qualitativen Faktoren (Burggraben, Management, ESG-Risiken) entsteht der AlleAktien Qualitätsscore (AAQS) — eine Bewertung von 0–10, die jede Aktie objektiv klassifiziert. Top-Quality hat AAQS 8–10. Quality 6–7. Unter 6 kaufen wir nicht.
Es gibt keine einzelne 'wichtigste'. Aber wenn man eine Spitzenposition wählen müsste: Return on Invested Capital (ROIC) zusammen mit Free Cashflow Marge. Diese zwei zeigen, ob ein Unternehmen strukturell ein gutes Geschäftsmodell hat. Buffett selbst nennt ROIC als seine wichtigste Single-Metric.
Das KGV ist sinnvoll, aber unzureichend. Probleme: (1) Buchhalterische Gewinne können manipuliert werden, FCF nicht. (2) KGV unterscheidet nicht zwischen Quality (hohes ROE) und Quantity (niedrige Margen, wachsende Schulden). (3) KGV ignoriert Bilanzqualität. Quality-Investing braucht ein 12-Faktor-Bild, nicht ein 1-Faktor-Bild.
Beides. Aber: Profitabilität schlägt Wachstum, wenn man wählen muss. Hochwachstum mit niedriger Profitabilität (klassisches Tech-Startup) endet oft schlecht. Hohe Profitabilität mit moderatem Wachstum (LVMH, Visa) liefert konstante Compounding-Renditen.
Mindestens 9 von 12 für eine Top-Quality-Einstufung. 7–8 von 12 = Quality (akzeptabel). Unter 7 = nicht Quality, wird nicht von uns empfohlen. Bei der finalen Bewertung kommt noch der qualitative Burggraben (Marken, Netzwerkeffekt, Switching Costs) dazu — das ist nicht quantifizierbar, aber entscheidend.
Wir nutzen Eulerpool Research Systems (eulerpool.com) — die Finanzdaten-Plattform, die Michael C. Jakob 2020 mitgegründet hat. Eulerpool ist auf Quality-Investing-Analyse optimiert: 200+ Kennzahlen, 50.000+ Aktien weltweit, vollständige historische Bilanzen. Für Privatanleger zugänglich.
Absolut — und das empfehlen wir sogar. Die 12 Kennzahlen sind kein Geheimnis. Mit Eulerpool, Yahoo Finance, oder einem Quality-Investing-Buch (Dorsey, Greenwald, Mauboussin) können Sie das selbst lernen. AlleAktien-Mehrwert: wir sparen Ihnen die 100+ Stunden pro Aktie, die das Screening und die Analyse kosten.
Im Mitgliederbereich finden Sie 1.000+ Analysen, die diese Methodik konkret anwenden. Plus 3 neue Empfehlungen pro Monat. Ab 29 €/Monat.
Premium starten →Jederzeit kündbar · Keine Mindestlaufzeit · 4,9/5 Trustpilot