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Walt Disney Aktienanalyse: Auf dem Weg zur zweiten Netflix?
Aktienanalyse

Walt Disney Aktienanalyse: Auf dem Weg zur zweiten Netflix?

1Zusammenfassung

Aktienanalyse The Walt Disney Company
WKN 855686
Preis 104 USD
Ausstehende Aktien 1.547 Mio.
Marktkapitalisierung 160.000 Mio. USD
Nettoverschuldung 15.000 Mio. USD
Enterprise Value 175.000 Mio. USD
Datum 29.06.2018

2Überblick: Walt Disney im größten Umbruch der Firmengeschichte

  • The Walt Disney Company (Walt Disney) ist ein weltweit tätiges Unterhaltungsunternehmen.

  • Das Unternehmen arbeitet derzeit an zwei Streaming-Services, deren Konzept dem von Netflix ähnelt.

  • Am 12. April 2018 startete Disney den ersten Streaming-Service, ESPN+. Für 5 USD pro Monat können Sportinteressierte zahlreiche amerikanische Sportevents verschiedener Sportarten exklusiv und live anschauen.

  • Ende 2019 will Disney einen großen Streaming-Service anbieten, der nahezu alle von Disney produzierten Inhalte auf einen Schlag verfügbar macht.

  • Disney hat eine unglaublich erfolgreiche Entwicklung hinter sich. Umsätze und Gewinne konnten permanent gesteigert werden.

  • Der ehemals winzige und scheinbar ungefährliche Verleiher von DVDs per Post, Netflix, hat den großen und erfolgreichen Medienkonzern Disney innerhalb weniger Jahre im Börsenwert überholt. Netflix etablierte als erstes Unternehmen weltweit ein großes Angebot an Medieninhalten über ein jederzeit kündbares Streaming-Abo. Der Aktienkurs von Netflix explodierte. Die Disney-Aktie hat sich in den letzten drei Jahren hingegen nicht mehr vom Fleck bewegt.

  • Anfangs hat Netflix alle Inhalte von Content-Produzenten wie Disney zugekauft, was Netflix sehr abhängig machte. Denn mit zunehmendem Erfolg von Netflix hätten die Medienproduzenten einfach eine Kopie der Netflix-Plattform anbieten und Netflix den Content-Zugang abdrehen können. Netflix hat diese Gefahr jedoch früh erkannt und sich dafür entschieden, alle Einnahmen sofort in die Erstellung eigener Serien und Filme zu reinvestieren.

  • Da Netflix in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist, konnten hierfür immer mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Mittlerweile ist Netflix nicht mehr besonders abhängig von externen Content-Lieferanten. Die eigenen Serien sind enorme Erfolge und kommen bei den Abonnenten extrem gut an. Dadurch wird es für Kunden weltweit immer schwieriger, kein Netflix-Abo zu besitzen, denn nur mit dem Abo erlangt man Zugriff auf die Serien. Disney wird frontal angegriffen.

  • Disney hat die von Netflix ausgehende Gefahr in den letzten Jahren massiv unterschätzt. Das Unternehmen hat durch die Bereitstellung der eigenen Produktionen an Netflix sogar maßgeblich zur Erfolgsgeschichte von Netflix beigetragen. Der beispiellose Erfolg von Netflix geht soweit, dass Netflix an der Börse mittlerweile wertvoller als Disney ist.

  • Die Streaming-Technologie verschafft Medienunternehmen ein völlig neues Ertragspotential.

  • Disney hat in 2016 endlich die Gefahr erkannt und sich dazu entschieden, mit voller Kraft dagegen anzuarbeiten und selbst All-In in die Streaming-Technologie zu gehen. Zwei eigene Streaming-Dienste werden derzeit entwickelt und aufgebaut. Dafür wurde der Content-Liefervertrag mit Netflix zum 31.12.2019 gekündigt. Ab 2020 wird es den von Disney produzierten Content exklusiv auf Disneys eigener Streaming-Plattform geben.

  • Vor dem Hintergrund des enormen Potentials der eigenen Streaming-Dienste und der sehr günstigen Bewertung der Disney-Aktie, aber der gleichzeitig zunehmenden Gefahr von Netflix und Amazon, scheint es mehr als angebracht, Walt Disney einer genauen Aktienanalyse zu unterziehen.

3Geschäftsmodell: Walt Disney ist ein riesiges Entertainment-Unternehmen mit enormen Chancen


Übersicht über die zu Walt Disney gehörenden Unternehmen und Marken.

The Walt Disney Company (Walt Disney) ist ein diversifiziertes, weltweit tätiges Unterhaltungsunternehmen mit vier Geschäftssegmenten: Media Networks, Parks and Resorts, Studio Entertainment und Consumer Products & Interactive Media.

Das Geschäftsjahr endet nicht wie üblich am 31. Dezember eines Jahres, sondern bereits am 30. September.

Dementsprechend beziehen sich alle Zahlen des Jahres 2017 auf den Zeitraum vom 01. Oktober 2016 bis 30. September 2017.

Zum 30. September 2017 beschäftigte Walt Disney 199.000 Mitarbeiter und erzielte bei einem Umsatz von 55,1 Mrd. USD einen operativen Gewinn von 14,8 Mrd. USD.

Im Media Networks-Segment bündelt Disney seine Aktivitäten der Kabel- und Fernsehnetzwerke, Fernsehproduktionen, TV-Sender und dem Vertrieb der Inhalte.

2017 erwirtschaftete dieses Segment einen Umsatz von 23,5 Mrd. USD und einen Gewinn von 6,9 Mrd. USD. Damit werden rund 46% der Gewinne von Disney in diesem Segment erwirtschaftet. Die Umsätze entstammen folgenden Quellen:

  • Pay-TV-Gebühren der Kabelnetzbetreiber für den Empfang der Dienste.

  • Einnahmen aus dem Verkauf des produzierten Contents an Vermarkter (Bsp. hierfür: ProSiebenSat1 kauft die Rechte für die Übertragung alter Simpsons-Folgen und bezahlt dafür Geld an Disney).

  • Werbeeinnahmen, die aus platzierter Werbung in den Sendungen entstammen.

Bisher vertreibt Disney den produzierten Content nicht direkt, sondern ausschließlich über Zwischenvermarkter. Das sind entweder Kabelnetzbetreiber, die in den USA ihren Kunden neben einem Kabelanschluss auch Pay-TV-Pakete mitverkaufen, deren Content dann (teilweise) von Disney stammt, oder es sind Fernsehsender, die Disney Rechte an gewissen Produktionen abkaufen und diese dann eigenständig vermarkten.

In der Untersparte Cable Networks bündelt Disney seine Aktivitäten der Netzwerke "ESPN", "Disney" und "Freeform". Diese Netzwerke produzieren ihre eigenen Programme oder kaufen die Rechte von dritten Parteien zu. Der Sportsender ESPN kauft den Großteil des Contents von den jeweiligen Sportligen zu.

Die Umsätze dieser Sparte entspringen den Mitgliedsgebühren für die jeweiligen Pay-Programme sowie Werbeeinnahmen. Außerdem werden Inhalte an Video-on-Demand-Plattformen wie Netflix, Amazon und Hulu verkauft. Für Privatnutzer werden einzelne Inhalte in Form von DVDs, Blue-Rays und elektronischen Einzellizenzen verkauft.

ESPN ist eine Sport-Entertainment-Firma, die Disney zu 80% gehört. In den USA werden acht 24-Stunden Sportkanäle angeboten, die unterschiedlichste beliebte Sportarten live übertragen. ESPN hat exklusive Übertragungsrechte für die Sportarten Football (NFL), Basketball (NBA), Baseball (MLB), Tennis und Golfevents ersteigert.

ESPN hat derzeit rund 90 Mio. Abonnenten, die Zahl der Abonnenten sinkt jedoch mit 2-5% pro Jahr. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Übertragungsrechte von Jahr zu Jahr an. Echte Sportfans sind derzeit (noch) gezwungen, ESPN zu abonnieren, wenn sie in den Genuss der Übertragungen kommen wollen.

ESPN ist eine Cash-Maschine. Doch sinkende Abonnentenzahlen bei gleichzeitig steigenden Kosten für die erworbenen Rechte stellen mittelfristig eine große Gefahr dar. Außerdem besitzt ESPN den Content nicht selbst, sondern kauft die Übertragungsrechte lediglich zu. Es ist davon auszugehen, dass Amazon oder Netflix bei den nächsten Versteigerungen mitbieten werden. Amazon hat sehr tiefe Taschen und könnte mit einem derartigen Schachzug den Wert des eigenen Prime-Angebots massiv erhöhen.

ESPN befindet sich in einer sehr schwierigen strategischen Lage. Disney hat mit dem Launch des Streaming-Dienstes ESPN+ bereits reagiert und bietet nun für 5 USD/Monat den Zugriff auf einige Inhalte des Senders an, auch ohne teuren Kabelvertrag. Zukünftig soll der ESPN-Streaming-Bereich massiv ausgebaut werden. Die Abonnentenzahlen sollen dadurch wieder ansteigen. Bei den nächsten Versteigerungsrunden von Sportlizenzen wird man wohl einige Sportarten an Amazon verlieren, was dann wiederum zu einem gewissen Kundenschwund führen dürfte. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass das dann verbleibende Sportangebot immer noch attraktiv genug für viele Millionen Abonnenten ist.

Unter der Marke "Disney" werden über 100 Fernsehkanäle in 34 Sprachen und 162 Ländern betrieben. Disney hat sich u.a. auf Kinder und Jugendliche spezialisiert. "Disney Junior" zielt auf Kinder im Alter von 2-7 Jahren ab, der "Disney Channel" auf Kinder und Jugendliche im Alter von 2-14 Jahren.

"Freeform" ist ein in den USA verfügbarer Kabelkanal, der auf die Zielgruppe der 14- bis 34-jährigen Zuschauer abzielt. Für Erwachsene Zuschauer bietet Disney ebenfalls eine Reihe von eigenen und spezialisierten Kanälen an.

2016 hat Disney außerdem das Unternehmen "BAMTech" gekauft. BAMTech stellt die technologische Basis für die eigenen Streaming-Plattformen von Disney bereit. Ich persönlich halte diese Übernahme für einen sehr klugen Schachzug. Disney war dadurch in der Lage, den Start der eigenen Streaming-Dienste massiv nach vorne zu ziehen. Gleichzeitig kann BAMTech keine Aufträge mehr von Konkurrenten annehmen.


Das Walt Disney World Resort in Florida lockt Millionen von Besuchern an. Bildquelle: VisitFlorida.com

In der Sparte Parks and Resorts erwirtschaftete Disney 2017 18,4 Mrd. USD an Umsätzen und einen Gewinn von 3,8 Mrd. USD. Damit ist diese Sparte für ca. 26% der Gewinne von Disney verantwortlich. Dieses Segment besitzt und betreibt folgende Ressorts und Freizeitparks:

  • Walt Disney World Resort in Florida

  • Disneyland Resort in Kalifornien

  • Disneyland Paris

  • Aulani, ein Disney Resort in Hawaii

  • Disney Vacation Club

  • Disney Cruise Line

  • Adventures by Disney

  • einen 47% Anteil am Hong Kong Disneyland Resort

  • einen 43% Anteil am Shanghai Disney Resort

  • einen Lizenzvertrag für den Betrieb des Tokyo Disney Resorts in Japan, aus dem Disney Lizenzeinnahmen zufließen.

Die firmeneigene Abteilung "Walt Disney Imagineering" entwickelt neue Parks und erweitert bestehende Parks.

Die Einnahmen dieses Segments entstammen den Eintrittsgebühren in den Freizeitparks sowie dem Verkauf von Speisen und Getränken und Fan-Artikeln. Außerdem erzielt die Sparte Einnahmen aus dem Verkauf von Hotelübernachtungen und dem Verkauf von Schiffsreisen der Disney-Lines.

Die Kosten des Segments bestehen im Wesentlichen aus Personalkosten, Abschreibungen auf die Anlagen, Marketingausgaben, den Kosten für das eingekaufte Essen und die eingekauften Getränke.

Die von Disney betriebenen Freizeitparks gehören zu den größten, bekanntesten und erfolgreichsten Parks weltweit. Disney ist mit großem Abstand das Nr. 1 Unternehmen auf diesem Segment. Die Umsatz- und Gewinnentwicklung dieser Sparte ist beeindruckend.

Das Studio Entertainment Segment produziert Video-Content. 2017 betrug der Umsatz dieser Sparte 8,4 Mrd. USD und der Gewinn lag bei 2,3 Mrd. USD, was rund 16% der Gesamtgewinne von Disney entspricht. Dieser Content wird über Kinos, Fernsehsender und Video-on-Demand-Plattformen vermarktet.

Zu den relevanten Kosten zählen die Produktionskosten, Marketingausgaben und Vertriebsausgaben. Zu Disney gehören die Studios Walt Disney Pictures, Pixar, Marvel und Lucasfilm.

Disney besitzt beispielsweise die Rechte an den Star-Wars-Filmen, Spider-Man und X-Men.

Rund 3 bis 6 Monate nach der Ausstrahlung eines neuen Filmes in den Kinos erfolgt die Zweitvermarktung über den Verkauf von DVDs, Blue-Rays, Streaming-Plattformen und Leihdienste wie iTunes von Apple.

Zum 30. September 2017 besitzt Disney rund 3.300 Filme.


Ich stehe im Mai 2017 vor einem Fanshop mit Disney-Artikeln in New York.

In diesem Segment verkauft Disney Lizenzen aus den Marken und Namen sowie den Charakteren der Disney-Produktionen an Hersteller von Spielzeugen und Fanartikeln, an Spieleentwickler und Einzelhändler. Disney selbst entwickelt und vertreibt Spiele, Bücher und Comicbücher. In diesem kleinsten Segment des Unternehmens wurde 2017 bei einem Umsatz von 4,8 Mrd. USD ein operativer Gewinn von 1,7 Mrd. USD erwirtschaftet, was einem Gewinnanteil von 12% des Gesamtgewinns entspricht.


Robert Igor führt Walt Disney seit 2006 als CEO. Seine strategischen Visionen führen in drei Richtungen: Den bestmöglichen Content zu produzieren, die neueste Technologie zu benutzen und in neue Märkte und neue Länder zu expandieren. Bildquelle: Walt Disney.

Mit den Akquisitionen von Pixar (2006), Marvel (2009) und Lucasfilm (2012) bewies Igor, dass er in der Lage ist, Content-Produzenten erfolgreich zu übernehmen und zu integrieren. Egal, welche Technologie wir Media-Konsumenten künftig nutzen werden, eines wird immer gültig sein: Content is King. Das hat Igor früh erkannt.

2017 gehört Disney zu den größten Produzenten von Medieninhalten. Doch Streaming-Plattformen wie Netflix und Amazon holen rapide auf. Die Konkurrenz wird größer und der Wettbewerbsdruck verschärft sich. Quelle: eigene Berechnungen.

Den Siegeszug der Streaming-Dienste hat Igor dagegen viel später erkannt. Seit 2016 beweist Igor aber, dass er All-In im Bereich Streaming geht. Neben dem Kauf des führenden Technologieanbieters für Streaming-Dienste, BAMTech (für fast 2 Mrd. USD), hat er die Content-Partnerschaft mit Netflix zum 31.12.2019 beendet und lässt seine Mitarbeiter mit voller Kraft am Aufbau eines eigenen Streaming-Services arbeiten. Meiner Meinung nach beweist Igor mit dieser gnadenlosen Entschlossenheit seine Qualitäten als Führungskraft. Er dürfte den Streaming-Trend anfangs unterschätzt haben, gibt jetzt aber Vollgas, um den Rückstand aufzuholen.

2017 hat sich Igor dazu entschieden, die Rolle als Content-Produzent deutlich ausbauen zu wollen. Den Fox-Aktionären wurde ein Übernahmeangebot über 52 Mrd. USD bzw. rund 25 USD pro Aktie vorgelegt. 2018 konterte der US-Kabelnetzbetreiber Comcast mit einem Gegenangebot über 35 USD je Aktie. Disney zog am 20. Juni 2018 nach und erhöhte das Übernahmeangebot für Fox abermals auf nun 38 USD je Aktie. Der Aktienkurs von Fox liegt aber bereits bei 48 USD. Der Markt preist ein abermaliges Gegenangebot von Comcast und ein weiteres, noch höheres Angebot von Disney bereits ein. Damit wird die Übernahme sehr teuer werden. Mit über 100 Mrd. USD kann gerechnet werden. Disney will Fox unbedingt, um ausreichend Content für den eigenen Straming-Dienst zu erlangen.

Disney muss jetzt einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie zu lange abgewartet haben. Gelingt die Übernahme, wird Disney zum mit Abstand größten Medienproduzenten der Welt. Damit hätte Disney dann auch die perfekte Ausgangsbasis für den eigenen Streaming-Dienst geschaffen, der Ende 2019 an den Start gehen soll.

Gelingt Disney die Fox-Übernahme, wird das Unternehmen zum mit Abstand größten Medienproduzenten der Welt. Dadurch wird die Nachfrage nach dem eigenen Streaming-Dienst massiv ansteigen. Quelle: Eigene Berechnungen.

Außerdem hat Igor maßgeblich zur äußerst erfolgreichen Eröffnung des ersten Freizeitparks in China, dem Shanghai Disney Resort beigetragen.

Igor ist seit 2011 im Board of Directors von Apple vertreten.


Disney hat keine Ankeraktionäre. ETF-Anbieter halten die größten Aktienpositionen. Stand: Juni 2018. Quelle: Nasdaq.com

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