
Sachdividenden: Genialer Vermögenstrick oder teure Illusion?
Sachdividenden gelten als exklusiv, steuerlich clever und emotional aufgeladen. Doch kaum jemand rechnet nüchtern nach. Dieser Artikel deckt auf, wann Sachdividenden echten Vermögenswert schaffen – und wann sie vor allem eines sind: geschickte Illusion für Anleger.

1Dividenden allgemein
Dividendenausschüttungen bei Aktien sind Zahlungen, die Unternehmen an ihre Aktionäre leisten, um einen Teil ihrer Gewinne mit ihnen zu teilen. Die Höhe der Dividende wird normalerweise als Prozentsatz des Aktienkurses angegeben.
Die Ausschüttung von Dividenden erfolgt regelmäßig, oft quartalsweise oder jährlich, obwohl es auch Sonderdividenden geben kann. Vor der Ausschüttung der Dividende legt das Unternehmen einen Stichtag fest, der als Dividendenstichtag oder Ex-Dividenden-Tag bezeichnet wird. Aktionäre, die die Aktie vor diesem Stichtag besitzen, haben Anspruch auf die Dividende.
Es gibt zwei wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Dividendenausschüttungen: der Dividendenbetrag und die Dividendenrendite. Der Dividendenbetrag ist der Geldbetrag, den ein Aktionär pro gehaltener Aktie erhält. Die Dividendenrendite gibt hingegen das Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs an und wird in Prozent ausgedrückt.
Auf Dividenden muss stets eine Abgeltungssteuer von 25 % gezahlt werden.Unabhängig von der Höhe der Ausschüttung fällt diese Steuer bei der Auszahlung der Dividende an, wenn die zugehörigen Aktien bei einer Deutschen Bank im Depot liegen (§ 43 Abs. 1 Nr. 6 EStG). Ein Viertel der Auszahlung wird daher direkt vom Unternehmen einbehalten, es sei denn, der eigene Einkommenssteuersatz liegt unter 25 %. Da dieser jedoch bereits bei 17,400 € Bruttoeinkommen erreicht wird, ist dies nur für wenige Anleger relevant.
2Was ist die Sachdividende?
Sach- oder Naturaldividenden sind, wie der Name schon andeutet, Ausschüttungen in Form von Gütern durch ein Unternehmen.Grundsätzlich umfasst dies auch verschiedene Dienstleistungen. Sie werden oft zusätzlich zur Bardividende ausgeschüttet, in der Regel ein Mal im Jahr. Die Idee: Eine unbezahlbare und einzigartige Gewinnausschüttung.
Die wohl berühmteste Sachdividende ist eindeutig der Schokoladenkoffer von Lindt. Mit etwa 4 bis 5 Kilogramm fällt dieser auch ganz schön ins Gewicht. Einmal im Jahr erhalten Aktionäre eine breite Auswahl der Produkte, die ihr Konzern zu bieten hat. Der Wert des Koffers wird auf etwa 400 € geschätzt, am Sekundärmarkt wurden jedoch schon vierstellige Beträge erzielt. Die Sachdividende kann damit zu einer signifikanten Summe Geld gemacht werden. Vorsicht ist jedoch geboten. Bei einem Kaufpreis von über 124.000€ ist die Aktie alles andere als ein spontaner Kauf für viele Investoren und auch die Dividendenrendite des Schokoladenkoffers liegt somit bei rund 1,29 %. Das Klumpenrisiko ist die Aktie für die Meisten wohl nicht wert.
2.1Arten der Sachdividende
Unternehmen können mit der Sachdividende eine einzigartige Form der Rendite für ihre Aktionäre schaffen, die über finanzielle Zahlungen hinausgeht.Der Wert der Sachdividende ist in der Regel symbolischer Natur, aber sie kann dennoch attraktiv sein. Es gibt verschiedene Arten von Sachdividenden, die unterschiedliche Vorteile bieten können.
Physicals. Eine häufige Form sind physische Produkte, die das Unternehmen herstellt. Beispielsweise bietet der Uhrenhersteller Swatch seinen Aktionären Uhren als Sachdividende an, während Lebensmittelhersteller Schokolade oder Bekleidungsunternehmen Schlafanzüge verteilen. Diese Art von Sachdividende ermöglicht es den Aktionären, die Produkte des Unternehmens zu erleben und zu genießen.
Discounts. Rabatte auf Produkte oder Dienstleistungen sind eine weitere Art der Sachdividende. Aktionäre können beispielsweise Rabatte auf Mietwagen, Eintrittskarten für Veranstaltungen oder Zoobesuche erhalten. Dies ermutigt die Aktionäre, das Unternehmen nicht nur als Investoren, sondern auch als Kunden zu unterstützen und seine Produkte zu nutzen.
Clubs. Manche Unternehmen bieten ihren Aktionären exklusive Mitgliedschaften in Shareholder Clubs an. Diese Clubs bieten den Aktionären die Möglichkeit, Teil einer besonderen Gemeinschaft zu sein und Zugang zu exklusiven Veranstaltungen, Sonderangeboten oder Informationen zu erhalten. Dies schafft ein Gefühl der Exklusivität und Bindung zwischen dem Unternehmen und seinen Aktionären, die sonst nicht möglich ist.
Provisions. Eine weitere Form der Sachdividende kann bei Hauptversammlungen angeboten werden. Unternehmen wie Daimler geben beispielsweise Würstchen oder andere Speisen aus, während Spirituosenhersteller großzügige Mengen an Alkohol servieren. Für manche Aktionäre kann das Essen, das bei der Hauptversammlung serviert wird, als eine Art Dividende betrachtet werden, die auch maximiert werden kann. Die Teilnahme an der Hauptversammlung kann jedoch mit Opportunitätskosten verbunden sein und erfordert einen zeitlichen Aufwand.
Sachdividenden trifft man vor allem in der Schweiz an, wie sich in der Auflistung weiter unten zeigen wird. Dafür gibt es keinen spezifischen Grund, abgesehen davon, dass die Schweiz viele hochqualitative Konzerne im Bereich der exklusiven Konsumgüter zu bieten hat. Die Unternehmen des Landes haben eine Tradition für die einzigartige Dividende entwickelt.
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