LIVESo. 5. Juli, 11 Uhr — Michael enthüllt seine Top-Aktien4T 9h 57m 21s
Nestle Aktienanalyse: Weltgrößter Nahrungsmittelkonzern überzeugt mit extrem stabilen Erträgen
Aktienanalyse

Nestle Aktienanalyse: Weltgrößter Nahrungsmittelkonzern überzeugt mit extrem stabilen Erträgen

1Zusammenfassung

Aktienanalyse Nestle
WKN A0Q4DC
Preis 83 CHF
Ausstehende Aktien 3.000.000.000
Marktkapitalisierung 249.000 Mio. CHF
Nettoverschuldung 17.900 Mio. CHF
Enterprise Value 266.900 Mio. CHF
Datum 03.10.2018

2Überblick: Nestle ist der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern

  • Nestle ist ein gewaltiges Unternehmen. Mit einem Börsenwert von fast 250 Mrd. CHF ist Nestle das wertvollste Unternehmen der Schweiz.

  • Über 2.000 Marken gehören zum Unternehmen. Davon erzielen 34 Marken einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde CHF (Schweizer Franken).

  • Das Unternehmen fokussiert sich auf die Bereiche Getränke in flüssiger und pulverisierter Form (Kaffee: Nescafe, Nespresso, Starbucks), Babynahrung, Milchprodukte und Speiseeis (Nestle, Hagen-Dazs, Mövenpick), Tiernahrung, Fertiggerichte (Maggi, Herta, Wagner, Thomy), Süßwaren (KitKat) und Wasserprodukte (San Pellegrino). Es gibt kaum einen Bereich in der Nahrungsmittelindustrie, in dem Nestle nicht mit einer führenden Marke vertreten ist.

  • Durch diese extrem breite und globale Aufstellung mit unzähligen Marken zählt Nestle zu den krisensichersten Unternehmen der Welt. Nestle arbeitet zudem hochprofitabel. Der Ertragsstrom ist sehr stetig. Der Aktienkurs reagierte kaum auf die Finanzkrise.

  • Daher steht die Nestle-Aktie bei vielen defensiven Investoren hoch im Kurs. Doch ist dieses Vertrauen gerechtfertigt?

  • In den letzten Jahren haben die Wachstumsraten der großen Konsumgüterhersteller deutlich nachgelassen. Die Abkehr vom Fernsehen, eine steigende Marktmacht der Einzelhändler, Amazon, Sprachassistenten, der Gesundheitstrend und Wachstumsschwierigkeiten führen zu Problemen in der Konsumgüterindustrie. Wenn es kaum noch Wachstum gibt, woher sollen dann künftige Kursanstiege kommen?

  • Wie stark ist Nestle von diesen Gefahren betroffen? Wie reagiert das Management darauf?

  • Ist Nestle oder Unilever die bessere Investition?

  • In der Nestle-Aktienanalyse liefere ich die Antworten. Ich zeige dir die langfristig zu erwartende Rendite einer Investition in Nestle auf.

  • Wie alle Premium-Analysen kann auch die Nestle-Analyse bequem als Podcast angehört werden.

3Geschäftsmodell: Nestle ist der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern

Nestle ist ein gewaltiges Unternehmen. Über 2.000 Marken werden in 189 Ländern verkauft. Während Unilever neben Nahrungsmitteln auch Haushalts- und Körperpflegeprodukte herstellt, hat sich Nestle vollständig auf die Nahrungsmittelindustrie spezialisiert. In dieser Industrie ist Nestle in nahezu jeder Produktkategorie vertreten und das mit Abstand führende Unternehmen. Nestle hat eine über 150-jährige Unternehmensgeschichte. Das Unternehmen wurde in der Schweiz von einem deutschen Apotheker gegründet, der das erste Babypulver der Welt erfunden hat. Seitdem wächst das Unternehmen kontinuierlich heran. Im Laufe der Zeit wurden viele weitere Marken und Geschäftssegmente aufgekauft bzw. erschlossen.

Ein großer Vorteil von Nestle ist die globale Präsenz. Das Unternehmen hängt nicht von einzelnen Ländern ab. Die Produkte werden weltweit verkauft. Über 40% der Verkäufe entstammen den aufstrebenden Ländern. Bildquelle: Nestle Geschäftsbericht 2017.

Mittlerweile ist Nestle extrem breit aufgestellt. Das Unternehmen teilt sein Geschäft in sieben Segmente ein. Bildquelle: Nestle Geschäftsbericht 2017.

Werfen wir einen Blick auf die einzelnen Geschäftssegmente des Unternehmens. Dabei beginnen wir mit dem nach Umsatz wichtigsten Segment und gehen dann in absteigender Reihenfolge vor.

Getränke in flüssiger und Pulverform ist das wichtigste Segment von Nestle. Mit Nespresso ist es Nestle gelungen, eine Premium-Marke mit sehr hoher Markentreue zu erschaffen. Mittlerweile hat Nestle über 600 echte Nespresso-Läden eröffnet und so einen direkten Zugang zu den Kunden geschaffen. Im Sommer 2018 verstärkte Nestle dieses Segment. Die Rechte an den Starbucks-Kaffeegetränken außerhalb der Starbucks-Läden wurden für 7,15 Mrd. USD abgekauft. Nestle kann nun fertige Kaffeegetränke mit dem weltweit bekannten und geschätzten Starbucks-Logo in Supermärkten und Tankstellen anbieten. Der Kaffeemarkt verspricht langfristig Wachstumsraten von 5% und mehr. Kaffee wird zunehmend außerhalb der eigenen vier Wände getrunken. Daher ist Nestle in diesem Segment an hochwertigen und stark wachsenden Übernahmezielen interessiert. Neben dieser großen Akquisition akquirierte Nestle in 2017 die US-amerikanische Premium-Kaffeekette Blue Bottle Coffee sowie den führenden Anbieter für kalt gebrauten Bio-Kaffee in den USA, Chameleon Cold Brew. Bildquelle: Nestle Investor Relations.

Im Nutrition-Geschäft stellt Nestle überwiegend Babynahrung her. Das Unternehmen ist wie schon im Kaffeegeschäft der klare Marktführer. Gerade bei jungen Kindern ist die Zahlungsbereitschaft von Eltern besonders ausgeprägt. Nestle verfügt über eine große Erfahrung bei der Herstellung von Babynahrung. Ein sehr stabiles Geschäft. Bildquelle: Nestle Investor Relations.

Auch im Speiseeisgeschäft besitzt Nestle weltweit führende Marken. Dieses Segment zählt aber nicht zu den Fokus-Segmenten, in denen Nestle künftig besonders stark wachsen möchte. Bildquelle: Nestle Investor Relations.

Produkte für den Heimtierbedarf stehen hingegen im strategischen Fokus. Immer mehr Familien schaffen sich Haustiere an. In den Industrieländern zählen Haustiere zunehmend zu vollwertigen Familienmitgliedern, dadurch steigt auch die Zahlungsbereitschaft für Tierfutter an. In Entwicklungsländern erfreuen sich Haustiere einer steigenden Beliebtheit. Nestle ist mit führenden Marken gut positioniert, um von den langfristigen Chancen profitieren zu können. Zuletzt hat das Unternehmen seine Packungsgrößen für den Online-Versand angepasst. Dadurch ist die Vergleichbarkeit der Preise gesunken. Außerdem wurden die Logistikkosten bei Online-Bestellungen optimiert. Bildquelle: Nestle Investor Relations.

Nestle ist in den Köpfen vieler Privatanleger ein Unternehmen, das fette und ungesunde Speisen anbietet. Dieses Segment ist aber eines der kleinsten Segmente von Nestle. Wie du sehen kannst, besteht Nestle aus vielen weiteren Produktkategorien und Segmenten. Maggi ist in Afrika sehr gut positioniert. Viele Afrikaner leiden unter Nährstoffmangel. Nestle hat mit dem Maggi-Cube ein kostengünstiges Produkt entwickelt, das Millionen von Konsumenten regelmäßig mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Die organische Wachstumsrate liegt in Afrika seit Jahren im zweistelligen Bereich. Bildquelle: Nestle Investor Relations.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist das Süßwaren-Geschäft das zweitkleinste Segment des Unternehmens. Weniger als 10% der Umsätze entstammen diesem Segment. Bildquelle: Nestle Investor Relations.

Das Wassergeschäft ist eine Besonderheit von Nestle. Die weltweit wohl bekannteste Wassermarke, San Pellegrino, gehört zum Unternehmen. In den USA besitzt Nestle einen enorm großen Marktanteil. Kunden verzichten zunehmend auf zuckerhaltige Getränke. Der Wasserabsatz steigt an. Nestle sieht langfristig großes Wachstumspotential. Durch Beimischung von Kohlensäure, Koffein und Geschmacksaromen kann das Wasser zu einem deutlich höheren Preis verkauft werden. Dieses "angereicherte Wasser" erfreut sich einer steigenden Beliebtheit. Ich kann mir außerdem kein Szenario vorstellen, in dem der Verbrauch von Wasser deutlich zurückgehen wird. Aus diesen Geschäftssegmenten schöpft Nestle seine enorme Ertragsstärke. Das Unternehmen denkt derzeit darüber nach, in den USA einen eigenen Lieferdienst für Trinkwasser aufzubauen. Kunden könnten künftig über einen Onlineshop große Wassermengen direkt zu sich nach Hause bestellen. Einige Stunden nach der Bestellung erfolgt die Lieferung direkt durch Nestle. Einzelhändler könnten ausgeschaltet werden und Nestle kann die gesamte Marge einnehmen. Die Kunden sparen sich lästige und schwere Arbeit. Bildquelle: Nestle Investor Relations.

Fazit zu den Geschäftssegmenten: Nestle ist weit mehr als eine Produktionsstätte für Süßwaren und ungesunde Fertigprodukte. Diese beiden Segmente machen sogar nur einen geringen Teil der Umsätze aus. Nestle ist ein hervorragend aufgestelltes Nahrungsmittelunternehmen. Die vier Segmente Kaffee, Wasser, Tierfutter und Babynahrung wurden zu den strategischen Wachstumssegmenten erklärt. In diesen vier Segmenten sieht Nestle besonders gute Wachstumsperspektiven. Es gibt weltweit kein anderes Unternehmen, das über eine derart exzellente Marktposition im Nahrungsmittelbereich verfügt. Doch wie sicher ist diese Position?

Ich habe kürzlich einen ausführlichen Artikel über aktuelle Entwicklungen in der Konsumgüterindustrie geschrieben. Ich empfehle dir, diesen jetzt zu lesen. Im Artikel habe ich erläutert, warum Konsumgüteraktien in der Vergangenheit eine extrem solide Anlage gewesen sind.

  • Die Nachfrage nach den Gütern des täglichen Bedarfs ist extrem stabil.

  • Der Abnehmerkreis konnte durch die Expansion in immer neue Länder stetig erweitert werden.

  • Der Aufstieg der Schwellenländer sorgt für einen Nachfrageschub.

  • Eine steigende Weltbevölkerung bedeutet langfristig immer mehr Konsumenten.

In der Summe haben diese Trends dazu geführt, dass die Umsätze, Gewinne und Dividenden der großen Konsumgüterhersteller stetig angestiegen sind. Etwa alle 30 Jahre haben sich die Aktienkurse verzehnfacht. Die Risiken waren überschaubar.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Veränderungen und Wandel sind nun auch in der Konsumgüterindustrie angekommen. Nicht nur Unilever, sondern auch Nestle hat mit geringeren Wachstumsraten zu kämpfen. Die organische Wachstumsrate (Underlying Sales Growth) ist die wichtigste Wachstumskennziffer von Konsumgüterunternehmen. Sie gibt die um Wechselkurse und Transaktionen bereinigte Wachstumsrate der Umsätze gegenüber dem Vorjahr an. Das Umsatzwachstum kann in zwei Faktoren aufgeteilt werden: Eine Erhöhung der abgesetzten Menge und Preiserhöhungen. Nestle hat jahrelang das Ziel verfolgt, eine organische Wachstumsrate von 5-6% zu erreichen.

2017 lag die organische Wachstumsrate über alle Segmente hinweg aber nur bei enttäuschenden 2,4%. Konkurrent Unilever erreichte ein wenig mehr. Die Mengen konnten um 1,6% erhöht werden und die Preise um 0,8%. Nestle hat sich vom Wachstumsziel noch nicht verabschiedet. Das Unternehmen möchte seine Wachstumsrate künftig wieder deutlich erhöhen. Dies soll mit folgenden Maßnahmen gelingen:

Im ersten Schritt sollen Umsatzrückgänge bei wichtigen Produkten durch eine Neupositionierung der Marken gestoppt werden. Dies geschieht durch gesündere Zutaten, eine schickere Verpackung und Marketingkampagnen. Im zweiten Schritt möchte sich Nestle von wachstumsschwachen Bereichen trennen und wachstumsstarke Geschäfte zukaufen. In diesem Bereich hat Nestle 2018 bereits große Fortschritte erzielt. Das Geschäft mit US-Süßwaren, das 2015 bis 2017 schrumpfte, konnte für den 3-fachen Umsatz an Ferrero verkauft werden. Im Gegenzug wurden verschiedene schnell wachsende Unternehmen aufgekauft. Der größte Deal war dabei bisher der Starbucks-Deal. Im dritten Schritt möchte Nestle verstärkt in wachstumsstarke Bereiche investieren. Hierunter fällt beispielsweise die Idee, einen eigenen Wasser-Lieferdienst in den USA aufzubauen. Bildquelle: Nestle Investor Relations Präsentation zum Jahr 2017.

Fazit zur Wachstumsstrategie: Nestle setzt stärker als je zuvor auf gesunde und natürliche Produkte. Der Fett-, Zucker- und Salzanteil jedes einzelnen Produktes wird hinterfragt und optimiert. Nestle hat in eigenen Forschungen festgestellt, dass bisher Geschmacksstoffe wie Zucker nur unvollständig freigesetzt worden sind. Daher hat das Unternehmen ein Verfahren entwickelt, mit dem die Zuckerstruktur verändert werden kann. Dadurch wird das gleiche Geschmackserlebnis bei einer deutlich geringeren Zuckerbeigabe erreicht.

Der Kopf hinter der neuen Strategie

Dr. Mark Schneider Bildquelle: Nestle.

Seit 2017 wird Nestle vom CEO Dr. Mark Schneider geführt. Mark Schneider ist ein äußerst talentierter und erfolgreicher Manager. Von 2003 bis 2016 leitete er das DAX-Unternehmen Fresenius. In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender legte der Aktienkurs um jährlich 20% zu. Schneider führte zahlreiche Akquisitionen durch und beschleunigte so das Wachstum von Fresenius.

Als bei Nestle 2017 die Stelle des CEO frei wurde, suchte der Verwaltungsrat von Nestle bewusst nach einem erfahrenen Manager mit erfolgreichem Track-Record. Die Wahl von Mark Schneider ist aus mehreren Gründen eine exzellente Entscheidung:

  • Der Track-Record bei Fresenius ist beeindruckend

  • Schneider bringt viel Erfahrung bei der Übernahme von Unternehmen mit

  • Der Manager kennt sich im Gesundheitsbereich bestens aus

Mittlerweile ist Schneider knapp zwei Jahre im Amt. Seitdem hat sich bei Nestle viel getan. In einem 75-minütigen Video erklärt Schneider die neue Strategie von Nestle:

Diese neue Strategie sieht folgende Veränderungen vor:

  • Der Wachstumsfokus wird auf die vier Segmente Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Babyfutter gelegt. In diesen Segmenten soll verstärkt zugekauft werden. Dort erwartet Nestle die größten Wachstumschancen.

  • Alle Produkte sollen gesünder werden. Die Zutaten werden optimiert. Weniger Zucker, weniger Salze, weniger Fette. Mehr natürliche Zutaten.

  • Gleichzeitig arbeitet Nestle an der Optimierung des Geschmacks und einer noch bequemeren Zubereitungsweise.

  • Dadurch soll das organische Wachstum zulegen.

  • Die Gewinnmarge soll bis 2020 auf 17,5-18,5% ansteigen. 2017 lag diese noch bei rund 16,0%. Dadurch soll das Gewinnwachstum stärker als das Umsatzwachstum ausfallen. Sparen möchte Nestle v.a. an Logistik- und Verwaltungskosten. Diese beeinflussen nicht die Produktqualität.

  • Die Bürokratie soll abgebaut werden. Lokale Einheiten dürften mehr Entscheidungen selbst treffen und so ihr Angebot auf lokale Bedürfnisse optimieren.

  • Die Kapitalstruktur wird optimiert. Nestle möchte in den nächsten drei Jahren Aktien im Wert von 20 Mrd. CHF zurückkaufen. Diese werden anschließend eingezogen. Da die Gewinne damit künftig auf 8% weniger Aktien verteilt werden müssen, steigt der Gewinn je Aktie durch die Aktienrückkäufe bis 2020 um knapp 10% an. Nestle war bisher kaum verschuldet und bekommt das Fremdkapital für die Aktienrückkäufe praktisch geschenkt.

  • Das Portfolio soll leicht angepasst werden. Segmente, die keine Wachstumsperspektiven haben, werden verkauft. So wurde bspw. bereits das Geschäft mit US-Süßwaren an Ferrero verkauft. Nestle musste von 2015 bis 2017 durchgängig rückläufige Umsätze verbuchen. Dennoch wurde ein sehr attraktiver Verkaufspreis erzielt. In den vier Wachstumssegmenten wird das Portfolio hingegen um chancenreiche und wachstumsstarke Marken ergänzt. Der bisher größte Deal wurde Mitte 2018 verkündet: Die Übernahme der Vermarktungsrechte an Starbucks-Kaffee außerhalb der Starbucks-Läden.

  • Diese Übernahme ist für Nestle eine große Wachstumschance. Die Starbucks-Marke ist global sehr anerkannt. Nestle kann nun Starbucks-Kaffee über seine Nespresso-Plattform verkaufen.

Insgesamt beurteile ich die Strategie von Nestle als sehr sinnvoll. Viele Wettbewerber reagieren auf die Veränderungen der Konsumgüterindustrie mit heftigen Sparprogrammen. Sie möchten ausschließlich ihre Gewinnmarge steigern und damit auch die Gewinne für ihre Aktionäre. Sie haben sich bereits damit abgefunden, dass die Zeit des großen Wachstums vorbei ist. Nestle arbeitet zwar auch an einer Optimierung der Gewinnmarge, setzt aber gleichzeitig auf einen Wachstumskurs. Dadurch steigen die Umsätze weiter an und das Gewinnwachstum ist nachhaltiger. Denn die Gewinnmarge kann nicht endlos gesteigert werden. Die Umsätze aber schon. Mark Schneider rechnet damit, dass Nestle erst 2020 wieder auf eine organische Wachstumsrate von 5% kommt. Es dauert Zeit, bis die Strategie ihre Wirkung zeigt. Persönlich glaube ich zwar nicht, dass es gelingen wird, eine nachhaltige Wachstumsrate von 5% zu erreichen. 4% kann ich mir aber durchaus vorstellen. Die Strategie ist stimmig.

Gefahr Einfluss auf Nestle
Abkehr vom linearen Fernsehen Groß. Nestle ist einer der größten Werbetreibenden weltweit. Nestle ist darauf angewiesen, Milliarden von Konsumenten mit günstiger Werbung ansprechen zu können. Da diese immer seltener den Fernseher anmachen, muss Nestle die Kunden zunehmend auf anderen Wegen erreichen. Früher stellten die hohen Werbekosten für einen landesweiten TV-Spot eine große Markteintrittsbarriere dar. Frisch gegründete Start-Ups konnten es sich nicht leisten, ihr Produkt auf einen Schlag bekannt zu machen. Heutzutage können kleine Lebensmittel-Start-Ups Influencer bezahlen und so mit wenig Kapital eine eigene Marke Stück für Stück aufbauen. Die Abkehr vom linearen Fernsehen und die damit verschwindende Markteintrittsbarriere ist der wichtigste Grund, weshalb ich Nestle mittelfristig nur eine organische Wachstumsrate von 4% zutraue.
Zunehmende Marktmacht der Einzelhändler Gering. Nestle besitzt 34 starke Marken, die jeweils mehr als eine Milliarde CHF an Umsatz erwirtschaften. Dadurch besitzt Nestle nach wie vor eine gute Verhandlungsposition. In den Gewinnmargen ist keine sinkende Marktmacht zu erkennen. Mit dem Wasser-Lieferdienst möchte Nestle direkte Kundenbeziehungen aufbauen und so die Einzelhändler übergehen und den gesamten Verkaufspreis selbst einstreichen.
Amazon Wird größer. Nestle profitiert aber auch von Amazon. Mehr und mehr Produkte des Unternehmens werden über Amazon bestellt. Früher gab es neben den teuren TV-Kampagnen für junge Start-Ups eine weitere Markteintrittsbarriere. Es hat Unsummen gekostet, um Regalflächen bei den Einzelhändlern anzumieten und so die Produkte an Millionen Konsumenten verkaufen zu können. Dank Amazon kann mittlerweile jedes Lebensmittel-Start-Up seine Produkte ohne Platzierungskosten über den Amazon-Marktplatz verkaufen. Es war noch nie so einfach wie derzeit, mit einem spezialisierten und hervorragenden Produkt den großen Markenherstellern Kunden abzuwerben.
Sprachassistenten Noch gering, wird aber größer. Die von Nestle hergestellten Produkte werden aktuell noch zu weniger als 10% online bestellt. Eiscreme lässt sich aufgrund der fehlenden Kühlkette online nicht bestellen. Daher kann aktuell nur ein sehr geringer Anteil der verkauften Produkte angegriffen werden.
Gesundheitstrend Sehr gering. Nestle reagiert bereits seit vielen Jahren mit gesünderen Alternativen. Mit der Wasser-Sparte profitiert Nestle zudem vom steigenden Wasserkonsum.
Fehlende Wachstumsmöglichkeiten Mittel. In Europa können die Umsätze seit Jahren kaum noch gesteigert werden. In den Schwellenländern verfügt Nestle über eine sehr gute Ausgangsposition und kann noch jahrzehntelang vom Wachstumstrend profitierten.

Fazit zu den 6 Gefahren:Nestle ist der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt. Der Erfolg beruht auf sehr großen und bekannten Marken. 34 Marken erwirtschaften jeweils mehr als eine Milliarde CHF Umsatz und sind kaum zu verdrängen. Die größte Gefahr für Nestle sehe ich in der Abkehr vom Fernsehen und im Aufstieg von Amazon. Dadurch wird es schwieriger bzw. teurer, Millionen von Menschen gleichzeitig zu erreichen. Gleichzeitig können Start-Ups leichter als je zuvor Marktanteile abnehmen. Daher dürfte die organische Wachstumsrate von Nestle langfristig nicht bei 5% und mehr liegen, sondern eher bei 4%.

Die Fokussierung auf die vier Wachstumssegmente Wasser, Babynahrung, Kaffee und Tiernahrung sollte sich langfristig auszahlen. Der CEO Mark Schneider hat die Risiken, aber auch Chancen der Branche sehr gut erkannt. Ich bin mir sicher, dass er wertsteigernde Entscheidungen für die Nestle-Aktionäre treffen wird. Dank ihm wird es Nestle meiner Meinung nach gelingen, langfristig etwas stärker als Unilever zu wachsen. Die Position in den aufstrebenden Ländern ist sehr gut. Nestle ist dort bereits seit Jahrzehnten vertreten. US-Unternehmen wie General Mills haben den Eintritt in diese Wachstumsmärkte verpasst. Unilever und auch Nestle sind sehr gut aufgestellt.

Premium

Lies die vollständige Analyse mit 100.000+ Investoren

Fair Value, alle Kennzahlen, Chartanalyse und unsere klare Kaufeinschätzung — jeden Monat neue, fundierte Aktienanalysen.

Kostenlos testen

7 Tage gratis · Danach 290 €/Jahr · Jederzeit kündbar

Bereits Mitglied? Einloggen