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Hedgefonds: Das lernen wir von den Milliarden-CIOs

Hedgefonds: Das lernen wir von den Milliarden-CIOs

Vor mehr als einem Jahrzehnt wettete Warren Buffett, dass ein einfacher S&P 500 Indexfonds eine handverlesene Auswahl an Hedgefonds outperformen würde. Der Investor Protégé Partners akzeptierte die Wette und verlor sie spektakulär. Buffett gewann eine Million US-Dollar, da der Index fast 25 % stärker gewachsen war. Buffett selbst ist einer der bekanntesten aktiven Investoren, scheint aber offensichtlich nicht einmal selbst in Hedgefonds zu vertrauen. In diesem Artikel werden wir daher in das Thema tiefer einsteigen und analysieren, was als privater Investor von den vermeintlichen Experten zu lernen ist.

AlleAktien Podcast Hedgefonds Juli 2023

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1Was ist ein Hedgefonds?

Ein Hedgefonds ist ein spekulativer Investmentfonds, der in der Regel für wohlhabende Anleger, Institutionen und professionelle Investoren zugänglich ist. Im Gegensatz zu traditionellen Investmentfonds, die oft an bestimmte Anlagestrategien gebunden sind, genießen Hedgefonds oft eine größere Freiheit bei der Auswahl ihrer Anlageinstrumente und -strategien.

Die Hauptziele eines Hedgefonds sind in der Regel die Maximierung der Rendite und die Risikominderung (Hedging). Der Name „Hedgefonds“ leitet sich von der ursprünglichen Absicht ab, Risiken (engl. „hedges“) einzugehen, um potenzielle Verluste in bestimmten Anlagen auszugleichen.

Hedgefonds sind keine Asset-Manager. Auch wenn sie eine ähnliche Funktion ausüben, unterschieden sie sich in einigen Faktoren stark. Wichtig sind besonders die lockerere Regulierung von Hedgefonds und die potenziellen Anlagestrategien, um diese zwei Typen von Finanzinstitutionen zu unterscheiden. Unter dem Dach eines klassischen Asset-Managers finden sich oft auch vereinzelte Hedgefonds. Dies ist beispielsweise auch bei BlackRock der Fall.

Kriterium Hedgefonds Asset Manager
Anlegerkreis

Hedgefonds sind oft nur für wohlhabende Einzelpersonen, Family-Offices, Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren zugänglich. Die meisten Hedgefonds erfordern von ihren Anlegern ein hohes Mindestanlagekapital.

Asset-Manager verwalten in der Regel Investmentfonds oder Vermögenswerte für eine breitere Palette von Anlegern, darunter auch Privatanleger. Sie können in Form von Investmentgesellschaften, Banken oder Vermögensverwaltungsunternehmen auftreten. 

Anlagestrategien

Hedgefonds haben oft eine breitere Palette von Anlagestrategien zur Verfügung, darunter Long- und Short-Positionen, Hebelwirkung, Arbitrage, globale Makrostrategien und mehr. Sie können sowohl auf steigende als auch auf fallende Märkte setzen, um Renditen zu erzielen.

Asset-Manager konzentrieren sich in der Regel auf traditionellere Anlagestrategien, die auf langfristiges Wachstum und Diversifikation ausgerichtet sind. Sie bieten Investmentfonds an, die in Aktien, Anleihen oder andere Anlageklassen investieren, um langfristige Ziele zu erreichen.

Regulierung

Hedgefonds unterliegen oft weniger strengen Regulierungen im Vergleich zu Investmentfonds und können in einigen Ländern weniger transparent sein. Dies ist aufgrund der Zielgruppe von wohlhabenderen und erfahrenen Anlegern der Fall.

Asset-Manager, die Investmentfonds verwalten, unterliegen in der Regel strengeren Vorschriften und sind dazu verpflichtet, regelmäßig Berichte über ihre Anlageaktivitäten und Performance zu veröffentlichen, um Transparenz und den Schutz der Anleger zu gewährleisten.

1.1Verschiedene Strategien

Jeder Hedgefonds propagiert seine eigene Anlagestrategie. Es gibt tausende Kombinationen und Spezialisierungen unter den Fonds und ihren Managern zu finden. Jedoch lassen sich fünf zentrale Strategien unterscheiden, die kombiniert auftreten.

Die gängigsten Hedgefonds-Strategien versuchen, auf verschiedene Weise eine Überrendite zu erzielen:

  • Long/Short Equity-Strategie. Diese Strategie beinhaltet den Kauf von Aktien (long) und gleichzeitiges Leerverkaufen von Aktien (short), um von steigenden und fallenden Kursen zu profitieren. Diese Strategie ist für Privatanleger wohl am leichtesten durchführbar.

  • Event-Driven-Strategie. Hier versuchen Hedgefonds, von spezifischen Ereignissen wie Fusionen, Übernahmen, Insolvenzen oder Rechtsstreitigkeiten zu profitieren.

  • Global Macro-Strategie. Hedgefonds, die diese Strategie verfolgen, versuchen, von makroökonomischen Trends und Entwicklungen auf globaler Ebene zu profitieren.

  • Quantitative-Strategie. Bei dieser Strategie setzen Hedgefonds auf komplexe, algorithmische Modelle und Datenanalyse, um Anlageentscheidungen zu treffen.

  • Arbitrage-Strategie. Hedgefonds nutzen hier Preisunterschiede von ähnlichen Wertpapieren oder Märkten, um risikolose Gewinne zu erzielen.

Grundsätzlich gibt es natürlich noch dutzende weitere Strategie und Kombinationen verschiedener Strategien, welche auftreten können. Die obige Liste veranschaulicht lediglich die häufigsten Strategien.

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1.2Geschichte der Hedgefonds Branche

  • 1949
    Alfred Winslow Jones gründet den ersten Hedgefonds. Alfred Winslow Jones, ein Journalist und Soziologe, gründete 1949 den ersten Hedgefonds. Er nannte ihn A.W. Jones & Co. und begann, eine innovative Anlagestrategie zu nutzen, die heute als Long/Short Equity-Strategie bekannt ist. Jones kaufte Aktien, von denen er erwartete, dass sie steigen würden (Long-Positionen), und verkaufte Aktien leer, von denen er erwartete, dass sie fallen würden (Short-Positionen). Damit wollte er das Risiko reduzieren, indem er von der relativen Stärke und Schwäche von Aktien profitierte.
  • 1960er
    Einführung der 2/20-Vergütungsstruktur. In den 1960er Jahren wurde die heute weit verbreitete 2/20-Vergütungsstruktur eingeführt. Hedgefonds-Manager erhoben fortan eine jährliche Gebühr von 2 % auf das verwaltete Vermögen (Managementgebühr) und zusätzlich 20 % der erzielten Gewinne (Erfolgsbeteiligung). Diese Vergütungsstruktur sollte Hedgefonds-Manager dazu anspornen, gute Renditen für ihre Anleger zu erzielen, da ihre Einkünfte stärker von der Performance abhängig wurden. Einzelne Fonds verlangen natürlich weiterhin andere Gebühren.
  • 1970er
    Diversifizierung und Einführung neuer Strategien. In den 1970er und 1980er Jahren diversifizierte sich die Hedgefonds-Branche weiter. Neue Strategien wie Global-Macro, Arbitrage und Event-Driven wurden entwickelt und umgesetzt. Dies ermöglichte Hedgefonds, eine breitere Palette von Marktchancen und -ineffizienzen zu nutzen und die potenziellen Renditen zu steigern. Die allerersten Schritte der Computerisierung wurden getätigt.
  • 1990er
    Aufstieg der quantitativen Hedgefonds. In den 1990er Jahren gewannen quantitative Hedgefonds an Bedeutung. Diese Fonds nutzen hochkomplexe mathematische Modelle und Algorithmen, um Anlageentscheidungen zu treffen. Der Einsatz von Computersystemen ermöglichte es ihnen, große Datenmengen schnell zu analysieren und Handelsstrategien zu entwickeln, die auf statistischen Mustern basierten.
  • 1998
    Long-Term Capital Management (LTCM) Krise. Die Pleite von Long-Term Capital Management im Jahr 1998 gilt als eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der Hedgefonds. LTCM war ein hoch angesehener Hedgefonds, der sich auf Arbitragestrategien konzentrierte. Sein Zusammenbruch nach nur vier Jahren Existenz führte zu einer globalen Finanzkrise, da das Unternehmen enorme Risiken eingegangen war und seine Verluste schwerwiegende Auswirkungen auf die Finanzmärkte hatten.
  • 2000
    Ende von Tiger Management. Im Jahr 2000, nach über 20 Jahren erfolgreichen Betriebs, verkündete Julian Robertson, der Gründer von Tiger Management, die Schließung seines Hedgefonds. Tiger Management galt als einer der einflussreichsten und profitabelsten Hedgefonds seiner Zeit. Allerdings führten eine Reihe von schlechten Anlageentscheidungen und Marktveränderungen zu starken Verlusten, was zur Entscheidung führte, den Fonds abzuwickeln. Robertson gab bekannt, die aktuelle Marktlage schlichtweg nicht zu verstehen und zog sich zurück. Trotz des Endes von Tiger Management gründeten viele der ehemaligen Mitarbeiter und Händler des Fonds eigene Hedgefonds. Diese wurden später als Tiger Cubs bekannt.
  • 2008/09
    Finanzkrise und Auswirkungen auf die Hedgefonds-Branche. Die Finanzkrise von 2008 hatte erhebliche Auswirkungen auf die Hedgefonds-Branche. Viele Hedgefonds erlitten starke Verluste, und einige mussten ihre Türen schließen. Die Krise führte zu einer verstärkten Regulierung und stärkeren Risikomanagement-Anforderungen für Hedgefonds. Der Ruf der Branche wurde dauerhaft beschädigt.
  • Heute
    Schwindendes Interesse. Die wesentlichen Kunden der Hedgefonds, institutionelle Investoren wie beispielsweise Pensionsfonds, ziehen ihr Kapital zunehmend ab. Die hohen Kosten erscheinen vielen Anlegern nicht mehr als gerechtfertigt. In der sehr positiven Marktphase 2021/22 performte kaum ein Fonds besser als der Markt. 2022 reduzierte sich das in Hedgefonds angelegte Vermögen erstmals seit mehr als 10 Jahren.
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2Historische Performance

Die genaue Performance ist bei Hedgefonds im Allgemeinen nur schwer zu bewerten.Natürlich gibt es einzelne Manager, die mit ihren Fonds sensationelle Renditen, auch über mehrere Jahre hinweg erzielen. Die Industrie als ganze hat aber in den letzten zehn Jahren stagniert. Natürlich wird die Berichterstattung umso intransparenter, je schlechter die Renditen ausfallen.

Der HFRX Index spiegelt die Branche wider. Der Index wird von HFR erstellt und gilt als Benchmark der Industrie. Die Entwicklung verlief im Jahrzehnt vor der Finanzkrise hervorragend. Nach 2009 konnte sich die Branche jedoch nur schleppend erholen und unterperformte stark. Der einzige Vorteil, welchen die Hedgefonds Branche bietet, ist ein geringerer maximaler Drawdown. Das Hedging funktioniert also durchaus.

Im Vergleich zum S&P 500 wird die schlechte Performance deutlich. Seit 1997, dem Auflagedatum des Hedgefonds Index, liegt dessen jährliche Rendite bei nur 3,85 %. Der S&P 500 erzielte im gleichen Zeitraum eine jährliche Rendite von 8,14 %. Über die letzten 25 Jahren hinweg lagen die Fondsmanager mit ihren Strategien wohl oft falsch. Die niedrigere Rendite kommt auch durch die hohen Managementkosten zustande.

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Erfolgreich ist also nur, wer auf das richtige Pferd, den richtigen Einzelfonds setzen kann. Und das immer wieder. Denn die durchschnittliche Lebensdauer von Hedgefonds beträgt auf globaler Ebene nur 6,6 Jahre. Nach diesem Zeitraum werden Fonds im Schnitt liquidiert, mit dem Hauptgrund der schlechten Performance.

Hedgefonds investieren nicht nur in Aktien. Sie sind natürlich auch im Private Equity und anderen Assetklassen aktiv. In den letzten 36 Monaten performten Hedgefonds mit einer aktienfokussierten Strategie jedoch am besten, wie der HFRX Equity Hedge Index zeigt. Er bündelt alle invertierbaren Hedgefonds mit Long-/Short-Equity Strategien. In den letzten 12 Monaten war die Performance jedoch ebenfalls enttäuschend, mit 4,62 % im Vergleich zum S&P 500, welcher zweistellig zulegen konnte.

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