
Michael C. Jakob
Gründer, AlleAktien
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Die im MDAX notierte Fielmann AG hat am 28. Juni 2018 eine Gewinnwarnung herausgegeben.
Der Gewinn vor Steuern soll im 1. Halbjahr 2018 nun nur noch bei rund 116 Mio. EUR liegen nach 123 Mio. EUR in der ersten Jahreshälfte 2017.
Ich rechne damit, dass dies der Beginn einer Serie von Gewinnrückgängen der Fielmann AG ist, weil das Onlinegeschäft verschlafen wurde.
Die Bewertung der Aktie ist mit einem KGV von über 30 absurd hoch, erst Recht, wenn es nun zu Gewinnrückgängen kommt.
[caption id="attachment_4369" align="alignright" width="401"] Fielmann verkauft Brillen. Aber nicht im Internet. Wer online nach einer Brille sucht, geht bei Fielmann leer aus.[/caption]
Die Welt wandelt sich immer schneller. Meiner Meinung nach unterschätzt das Fielmann-Management die Gefahr durch ein aufkommendes Internetgeschäft für Brillen und hat dafür nun die erste Rechnung kassiert.
Der 78-jährige Gründer, Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsaktionär der Fielmann AG, Günther Fielmann, möchte mit Sicherheit nur das Beste für Fielmann. Er hat Fielmann aus dem Nichts aufgebaut und Millionen von Kunden, Zehntausenden von Mitarbeitern, aber auch allen Aktionären einen unglaublich großen Dienst erbracht.
Ich bezweifle aber, dass er die Zeichen der Zeit richtig erkennt. Fielmann weigert sich nach wie vor, einen eigenen Online-Shop für Brillen aufzubauen. Sucht man auf der Website der Fielmann AG nach einer Brille, wird man nach ein paar Bildern auf die nächste Filiale geleitet. Konkurrenten wie Mr.Spex wird das Onlinegeschäft somit komplett überlassen. Alleine Marktführer Mr. Spex freut sich mittlerweile über dreistellige Millionenumsätze.
Begründet wird die Verweigerung vom Fielmann-Management mit einer "unerlässlichen persönlichen Beratung". Eine Beratung hilft bei der Wahl einer Brille, soviel ist klar. Oftmals wissen einige Kunden aber einfach auch schon, was sie brauchen. Z.B., wenn die alte Brille verloren oder kaputt geht. Dann reicht ein einfacher Austausch. Man sollte nicht die arrogante Haltung beziehen und dem Kunden vorschreiben, wo er was zu tun hat. Dann wird er im Zweifel zum Wettbewerber gehen. Man sollte ihm alle Möglichkeiten eröffnen und Online- und Offlinewelt bestens miteinander vernetzen.
Mir ist durchaus bewusst, dass die meisten Kunden regelmäßig einen Sehtest bei ihrem Optiker machen lassen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Brille auch richtig passt. Viele Kunden wollen aber anschließend in aller Ruhe online nach dem richtigen Modell stöbern. Es gibt mittlerweile tolle Tools, mit denen man nach dem Upload eines Fotos virtuell verschiedene Brillen an seinem Gesicht ausprobieren kann.
Kunden, die Sonnenbrillen oder Modebrillen ohne Sehstärke bestellen wollen, werden im nicht vorhandenen Fielmann-Onlineshop ebenfalls nicht fündig und müssen zur Konkurrenz ausweichen.
Unterm Strich reicht bereits ein Kundenschwund von 10-20%, um zu einem deutlichen Gewinneinbruch zu führen. Immer noch vorhandene Fixkosten wie Mieten oder Personalausgaben müssen dann auf weniger Kunden umgelegt werden.
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